Es kracht und knarzt noch heute in meinen Ohren, wenn ich daran denke – daran, wie der Überbau der Ehrbachtalbücke bei Marienfels im Rhein-Lahn-Kreis teils wieder abgerissen werden musste. Eine Panne auf der Baustelle der Umgehungsstraße Marienfels/Miehlen im Sommer 2017. Der verarbeitete Beton wurde teils nicht fest. Die ersten 60 Meter des Brückenüberbaus wurden vom Abrissbagger zerstückelt. Wie es dazu kam.
Begonnen hatte alles an einem Dienstag im Juli: Mehr als 600 Kubikmeter Beton werden damals zur Baustelle transportiert. Schon um 5 Uhr morgens fahren die ersten Betonmischfahrzeuge vor – bis zu zehn Lieferungen pro Stunde sind es bis 17 Uhr. Die ersten 60 Meter des etwa 200 Meter langen Bauwerks für die L335 werden betoniert.

Nach und nach verschwinden die Stahlstreben der Bewehrung unter der flüssigen Betonmasse. Die Bauarbeiter decken den fertig betonierten Abschnitt mit einer Folie zu, damit der Beton beim Aushärten keine Risse bekommt. Als ich das nächste Mal über die Brücke berichte, soll es allerdings nicht um Risse, sondern um Abriss gehen.
„Wir haben hier einen schweren Baufehler, der ganz selten vorkommt“, erklärt mir der damalige stellvertretende Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Diez. Was genau er damit meint, wird klar, als ich ihm auf die Brücke in etwa zehn Meter Höhe folge. Mit dem Hammer schlägt er auf den oberen Bereich des Überbaus. Es klingt hell, der Beton ist fest. Nicht so der Beton weiter unten. Der Hammerschlag klingt dumpf, ganze Stücke bröckeln aus dem scheinbar massiven Brückenüberbau.
Beton mit falschen Bestandteilen
Einem der Zulieferer, so erklärt der LBM damals, sei ein Fehler unterlaufen. Es sei Beton mit falschen Bestandteilen angeliefert worden. Die Masse habe keinen oder zu wenig Zement enthalten – stattdessen Flugasche, die zur Herstellung bestimmter Betone benötigt werde. In der Brücke hätte die Asche gar nicht vorkommen sollen. Der fehlerhafte Beton ist großflächig im Überbau verteilt. Es bleibt nur der Abriss.
Gut, dass der Fehler frühzeitig erkannt wurde. Schon beim Ausschalen habe die Baufirma bemerkt, dass etwas nicht stimmt, erklärte der stellvertretende LBM-Leiter. Eine weitere Rückversicherung: die Prüfwürfel, die vor Ort ausgehärtet sind – oder auch nicht.
Marienfels/Miehlen. Eine Staubwolke steigt gen Himmel, es kracht und knarzt: Der erste Teil des Überbaus der Ehrbachtalbrücke bei Marienfels wird seit Dienstagmorgen wieder abgerissen.
Schadhafter Beton: Brückenüberbau wird wieder abgerissen
Ende Oktober rollt der Abrissbagger an. Montiert ist an dessen Arm eine Riesenkneifzange. Damit lassen sich Stahlbewehrung und Beton zerlegen. Um besser an das Bauwerk heranzukommen, ist ein Erdhügel aufgeschüttet worden. Darauf ist der Bagger weit genug von der Brücke weg, um nicht von herabfallenden Teilen getroffen zu werden. Mit dem Bagger wandert der Erdhügel. Der wuchtige Mittelteil des Überbaus wird mit einem Presslufthammer am Baggerarm zerlegt.
Der Steuerzahler zahle nicht für den Baufehler, erklärte der stellvertretende LBM-Leiter. Die Verantwortung liege bei einem der Betonzulieferer, „der dies auch anerkennt und die Verantwortung in Verbindung mit seiner Versicherung übernimmt“. Noch einmal betoniert wurde der abgerissene Überbauteil im März 2018.
Die Autorin
Schon seit ihrer Schulzeit hat Cordula Sailer-Röttgers als freie Mitarbeiterin und Praktikantin für Tageszeitungen, Radiosender und eine Nachrichtenagentur gearbeitet, bevor sie 2013 – nach abgeschlossenem Studium – für ihr Volontariat zur Rhein-Zeitung kam. Nach ihrer journalistischen Ausbildung arbeitete sie als Newsdesk-Managerin für eine Regionalzeitung in Süddeutschland. Danach zog es sie wieder zur Rhein-Zeitung, wo sie für die Rhein-Lahn-Zeitung vor allem aus dem Taunus berichtete. Seit Ende 2021 ist sie Redakteurin in der Zentralredaktion. Zu ihren Schwerpunkten gehören die Themen Lebensmittel, Gastronomie, Landwirtschaft und Weinbau sowie Tourismus, Natur und Garten.


