Wilde Zeiten bei TuS Koblenz
Aus der Insolvenz in die 2. Bundesliga
Feiertage mit dem Schängel auf dem Koblenzer Oberwerth: Unter Trainer Milan Sasic stieg die TuS aus den Niederungen der Oberliga
Feiertage mit dem Schängel auf dem Koblenzer Oberwerth: Unter Trainer Milan Sasic stieg die TuS aus den Niederungen der Oberliga bis in die 2. Liga auf.
Thomas Frey. picture-alliance/ dpa

Verrückte Jahre bei der TuS Koblenz: Der Fußballverein vom Oberwerth stand vor der Pleite, ehe unter Trainer Milan Sasic der wundersame Weg bis in die 2. Liga begann – und die Achterbahnfahrt wieder in der Oberliga endete. Was ist da passiert?

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Am Anfang stand eine Frage, recht lapidar formuliert. „Wir haben nur vier Spieler und 1 Million Schulden. Wollen Sie unser Trainer werden?“, sagte also Bruno Gauggel zu Milan Sasic, als der TuS Koblenz das Wasser mal wieder bis zum Hals stand. Der inzwischen verstorbene Gauggel hatte damals als Präsident die zweifelhafte Ehre, bei dem tief gestürzten Fußball-Traditionsverein die Insolvenz abzuwickeln – und Sasic war verrückt genug, um Ja zu sagen. Was beide nicht wissen konnten: Dieser Moment im Sommer 2002 war die Geburtsstunde eines „modernen Märchens“, wie es der Kroate später nannte. In gerade einmal vier Jahren erhob sich „die TuS“, wie sie gemeinhin nur genannt wird, aus der Bedeutungslosigkeit der Oberliga zurück in den „großen Fußball“.

Ja, nach fast drei Dekaden mit Duellen gegen Auersmacher, Prüm oder Weingarten wirkte es schon surreal, was da plötzlich passierte. Ein Duell in der Regionalliga gegen die Zweitvertretung des FC Bayern vor 10.000 Zuschauern, als die Eintrittskarten ausgingen, oder eine Beinahe-Pokalsensation gegen Hertha BSC um deren brasilianischen Star Marcelinho sind nur zwei Anekdoten einer atemlosen Phase, die 2006 mit dem Zweitliga-Aufstieg ihren vorläufigen Höhepunkt fand – den maßgeblichen Sieg landete die TuS bei keinem Geringeren als der TSG Hoffenheim, die man damals hinter sich lassen konnte.

Sven Sabock
Sven Sabock
Kevin Rühle. MRV

Die Euphorie des Aufstiegs hielt bis in das Frühjahr darauf, unter anderem gab es ein berauschendes 3:1 auf dem Oberwerth gegen den leibhaftigen 1. FC Köln. Einen Verein, den man in Koblenz zuvor eigentlich nur aus der Sportschau kannte. Doch in der Rückrunde, es war das Jahr 2007, machte man sich bei der TuS das Leben selbst schwer, Sasic musste nach fünfeinhalb erfolgreichen Jahren gehen. Sein Nachfolger: Uwe Rapolder. Unter seiner Regie gelang nicht nur der Klassenverbleib, in der Folge spielten die Blau-Schwarzen inmitten von Vereinen wie Mönchengladbach, Köln oder Kaiserslautern und Hoffenheim eine solide Saison. Und das trotz des Abzugs von acht Punkten wegen Unregelmäßigkeiten in den Lizenz-Unterlagen.

Die Last der Tradition wiegt schwer

Anders als unter der pragmatischen Herangehensweise von Sasic legte Rapolder neben dem Ergebnis auch Wert auf das Erlebnis. Mit Ausschlägen in alle Richtungen. Einem schier unglaublichen 5:0 gegen Kaiserslautern (wo Sasic inzwischen Trainer war) schloss sich zum Beispiel ein 0:9 in Rostock an – aber letztlich stand die TuS für drei Spielzeiten stets über dem Strich.

Was folgte, war eine Saison, in der nichts mehr passte, auch der Trainerwechsel hin zu Petrik Sander verhinderte nicht den Abstieg. Es war der Anfang vom Ende einer wilden Fahrt, die den Club über die 3. Liga wieder zurück bis hinunter in die Oberliga spülte. Mit Gegnern wie Auersmacher oder Dudenhofen. Verbunden mit der Erkenntnis, dass die TuS zwar nach wie vor eine Strahlkraft hat wie kaum ein anderer Verein in der Region, aber schwer an der Last trägt, an die Zeiten von einst anzuknüpfen. Immerhin: Was bleibt, ist die Erinnerung.

Der Autor

Sven Sabock, Jahrgang 1967, studierte zunächst in Mainz und anschließend an der Deutschen Sporthochschule Köln mit dem Abschluss als Diplom-Sportlehrer, Schwerpunkt Sportpublizistik. Parallel zum Studium begann er 1992 als freier Mitarbeiter bei der Rhein-Zeitung, wo er über das regionale Sportgeschehen rund um Koblenz berichtete. Seither ist er für unsere Zeitung tätig, wo er seit mehr als 30 Jahren zahlreiche Funktionen innehat. Über den Regionalsport ging es in die Koblenzer Lokalredaktion, anschließend zählte er zwischen 1998 und 2005 zu den Pionieren in der Online-Redaktion. Zurück in der Sportredaktion begleitete er den Höhenflug der TuS Koblenz bis hin in die 2. Bundesliga, in der Folge war er im überregionalen Sport im Einsatz, inklusive der Berichterstattung über Großereignisse. Aktuell ist er in der Zentralredaktion tätig.

Ressort und Schlagwörter

80 Jahre TuS Koblenz

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