Schrift:

Stiftungsprofessor Gottfried Boehm und "Die Sprache der Bilder"

Mainz - Gottfried Boehm ist der neue Inhaber der Gutenberg-Stiftungsprofessur. Bei der Verleihung im Rathaus begrüßte Oberbürgermeister Jens Beutel den Professor zugleich in der „Stadt der Wissenschaft 2011“ - ein Titel, der einen Höhepunkt in der Entwicklung der Beziehungen zwischen der Stadt und ihrer Universität skizziere. „Nie waren sich Bürgerschaft und Wissenschaft so nah wie in den zurückliegenden Wochen und Monaten.“

Professor Gottfried Boehm.

Eine der engagiertesten Institutionen sei hierbei seit Jahrzehnten die Vereinigung der „Freunde der Universität Mainz“, die dieses Jahr bereits ihr 60-jähriges Bestehen feiert. Und ihr sei es zu verdanken, dass die Stadt Mainz seit dem Gutenberg-Jahr 2000 über die Stiftungsprofessur verfüge. „Eine solch hochrangige Gastprofessur wäre weder von Seiten der Universität noch von Stadtseite allein zu stemmen gewesen. In den über zehn Jahren hat sich die Stiftungsprofessur ein hohes Renommee erworben. Dies macht allein schon ein Blick auf die Liste ihrer bisherigen Trägerinnen und Träger eindrucksvoll deutlich“, so der Oberbürgermeister.

Mit dem Baseler Kunsthistoriker und Bildwissenschaftler Boehm finde diese honorige Liste eine namhafte Ergänzung. Seine Veranstaltungsreihe steht unter dem Titel „Die Sprache der Bilder“.

Was ist ein Bild?

Die Fragestellung „Was ist ein Bild?“ mag zunächst simpel erscheinen. Ein Bild könne eine Kinderzeichnung, ein Picasso, ein Werbeposter, ein Wahlplakat - oder eben ein Foto sein. Beutel: „Bilder sind heutzutage allgegenwärtig. Machen wir uns aber bewusst, mit welcher Kraft sie in unser Leben drängen, wie sie uns bewegen, berühren, mitunter auch verführen?“

In der Gutenberg- und Medienstadt Mainz spiele nicht nur das Thema Schrift und Schriftdruck eine herausragende Rolle, sondern auch und gerade jenes der visuellen Kommunikation. 500 Jahre nach Gutenbergs bahnbrechender Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, der die Verbreitung von Texten in einem zuvor unvorstellbaren Ausmaß ermöglichte, befinde sich die Menschheit offenkundig an der Schwelle einer neuen Epoche: Mehr und mehr werde künftig an die Stelle des Textes das Bild treten.

„Was aber bedeutet es für unser Demokratieverständnis, wenn die Macht der Bilder über die Macht des Wortes und der Argumentation siegt? Was bedeutet es für unser Handeln, für unser Wahlverhalten oder für den Prozess unserer Meinungsbildung?“ Solchen Fragen müsse sich nicht nur die Wissenschaft stellen, sondern jede mündige Bürgerschaft zugleich, sagte Beutel.

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