Als Reporter unter Radikalen: Neonazis drohen auf subtile Weise
Remagen. Ist er der gefährlichste Mann bei diesem Aufmarsch? Das Äußere lässt nicht darauf schließen: schwarze Slipper, grau melierte Jacke über dem schmächtigen Oberkörper und ein bürgerlicher Hut an der Grenze zur Spießigkeit. Hinter der randlosen Brille ein kindliches Gesicht – wäre da nicht dieses selbstgewisse Lächeln, das während des ganzen Neonaziaufmarsches in Remagen wie festgewachsen scheint.
Oft schreitet er allein dem Lautsprecherwagen voran, aus dem blechern Trauermusik schallt. Die volle Pathosdröhnung. Dann wieder geht er parallel neben den schwarzen Reihen, bleibt stehen, dreht sich und betrachtet wippend, die Hände auf dem Rücken, den Zug an sich vorübergleiten. Fühlt er sich wie ein Leutnant aus Hitlers Wehrmacht, der eine Parade abnimmt?
NPD-Mitglied und Hetzredner
Wahrscheinlich ist das so, denn der Mann mit dem für Rechtsradikale auffälligen Hut ist Axel Reitz – in der Szene auch als „Hitler von Köln“ bekannt. Jahrgang 1983, NPD-Mitglied, Hetzredner. In Remagen hält er sich an diesem Tag im Hintergrund, und trotzdem dreht sich fast alles um die braune Eminenz. Marschveranstalter und ihre „Ordner“ holen sich bei ihm Instruktionen, besprechen immer wieder den Ablauf.
Nichts stört das Lächeln. Auch wenn die Rechtsradikalen-Debatte nach den Enthüllungen um die Zwickauer Terrorzelle die Republik beherrscht, geht es in Remagen routiniert zu. Die Straßen sind ausgestorben, vereinzelt bewegen sich Schatten hinter einer Gardine. Der Trauermarsch verläuft weitgehend still, nur das Klirren von Ketten an Hosen oder das Schnappen der Fotokameras ist zu hören. Die meisten Rechten tragen Turnschuhe, weil Springerstiefel in den Auflagen für den „Trauermarsch“ verboten sind. Es stört die wenigsten: Das „N“ eines Herstellers, das die braunen Träger in „National“ umdeuten, reicht ihnen als politische Aussage. „Würdig und diszipliniert“ soll der Marsch zur Madonna verlaufen, hatte der Organisator gefordert.
Nur selten wird der Plan auf die Probe gestellt: „Weg mit der Nazipest!“, schreien Gegendemonstranten an einer Absperrung oder in Anspielung auf das Paulchen-Panther-Video der Zwickauer Zelle: „Ich komme wieder, keine Frage.“ Die Rechten schauen böse, im Lautsprecherwagen wird die Lautstärke hochgedreht. Reitz lächelt.
Im Gegensatz zu dem vieler anderer hat sein Lächeln etwas Diabolisches. Nicht wie der lächerliche Niederländer, der schlaksig im schwarzen Ledermantel sein Hitler-Bärtchen zur Schau trägt. Ohnehin gehen die meisten der rund 250 Mitläufer in der dunklen Masse unter. Allein die zahlreichen Frauen stechen heraus – meist durch ihre Frisuren, die auch an Punker erinnern: hell blondiert, zum Teil abrasiert, mit pinken Strähnen. Unter dem Namen „Düütsche Deerns“ tragen vier von ihnen ein Plakat mit einer Parole – an das Idealbild der deutschen Frau, wie es die NS-Propaganda gefordert hat, erinnert keine von ihnen. Wenn man vom Alter absieht, denn das Gros der Teilnehmer dürfte um die 20 Jahre alt sein. Viele jünger.























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