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RZ-KOMMENTAR: Der Mensch ist das Hauptrisiko

Markus Kratzer zum Führerschein auf Zeit

Es kommentiert Markus Kratzer

Der Führerschein bekommt ein Verfallsdatum. Auf formaler Ebene kommt die Bundesregierung den europäischen Vorgaben nun nach. Wer ab 2013 seine Prüfung besteht, muss die Fahrerlaubnis alle 15 Jahre verlängern lassen. Ein EU-weit einheitliches Dokument, mit dem man Missbrauch eindämmt und Fälscher ausbremst - das alles mag ja noch einleuchten. Aber warum ignoriert Berlin die Richtlinie in der Gegenrichtung? Kein Gesundheitscheck, kein Sehtest, keine Probefahrt. Spätestens mit dem Aufbau dieses neuen Verwaltungsinstruments wäre es doch an der Zeit gewesen, auch die Fahrtauglichkeit des Einzelnen auf den Prüfstand zu stellen.

Nein, hierbei geht es jetzt nicht darum, irgendjemanden zu diskriminieren. Ja, natürlich fährt so mancher 70-Jährige besonnener und souveräner als ein 40-Jähriger. Aber genau das macht ja den Sinn eines solchen Tests aus. Damit würde die individuelle Fahrtauglichkeit auf den Prüfstand kommen. Jeder müsste im Laufe seines Autofahrerlebens bis zu vier Mal zusätzlich einen Nachweis erbringen, dass er den Straßenverkehr noch nach allen Regeln der StVO beherrscht - zum eigenen Schutz, aber nicht minder zur Sicherheit aller anderen Verkehrsteilnehmer. Denn wir kennen doch alle die (Un-)Fälle, bei denen sich herausstellt, dass es mit der Fahrtüchtigkeit des Verursachers nicht zum Besten bestellt ist - unabhängig von seinem Alter oder seinem Geschlecht. Durch einen verpflichtenden Test die Gruppe der Problemfahrer zu verringern - das heißt auch, ein Stück mehr Sicherheit auf unsere Straßen zu bringen.

Auch wenn Autos immer verlässlicher und technisch ausgereifter werden: Das Hauptrisiko ist der Mensch hinter dem Steuer. Mit dem Verzicht auf einen Fahrtauglichkeits-TÜV vergibt die Regierung leider eine große Chance. Der reine bürokratische Akt, alle 15 Jahre eine neue Lizenz zu verlangen, ist wie eine Fahrt mit angezogener Handbremse. Und der Autofahrer, der dann wieder und wieder 20 bis 30 Euro hinblättern muss, wird in dem Verdacht bestärkt, dass der Staat nur mal wieder eine neue Einnahmequelle aufgetan hat.

M E-Mail an Autor: markus.kratzer@rhein-zeitung.net

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