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Mainzer Mutanten: Schlager im rockigen Gewand

Mainz - Angefangen hat die Verwandlung von der alteingesessenen Laienrockband "Cycocircus" zum kunterbunten Schlagersextett "Mainzer Mutantenstadl" im Sommer 2009. Es war der 40. Geburtstag von Bandmitglied Andreas Blum: Da beschlossen seine Musikerkollegen die Geburtstagsparty mit eigens gesungener und gespielter Schlagermusik der 70er-Jahre aufzumischen.

Ganz schön schräg ist der Mainzer Mutantenstadl. Und immer für Überraschungen gut. Wenn die Musiker ihre Schlager interpretieren, zitieren sie immer mal starke Momente aus der Rockgeschichte. Foto: privat

Andreas Blum, heute Keyboarder und Backgroundsänger, erinnert sich: "Nicht nur die Gäste waren begeistert, sondern auch uns hat das so viel Spaß gemacht, dass wir anschließend entschieden: ,Das machen wir jetzt richtig.'"

Ihr Repertoire hatte die schrille Kombo schnell zusammen: "Jeder hatte rund dreißig Lieder parat. Das ist ja schon peinlich", grinst der Bassist Marcus Voggeneder. Und auch ein Bandname war bald gefunden: Mainzer Mutantenstadl. "Das war erst als Gag gedacht, aber der Name hat einfach gepasst", beschreibt Andreas Blum die Anfänge der Schlagertruppe. Das Wortspiel sei allerdings "nicht despektierlich" gemeint. "Wir nehmen den Schlager schon ernst", wiegelt der studierte Sozialpädagoge ab.

Allerdings lassen die Musiker die Lieder zum Rockigen "hinmutieren", nehmen etwa das Intro eines ZZ-Top-Songs für Roberto Blancos "Ein bisschen Spaß muss sein" oder ergänzen den Gassenhauer "Mendocino" um ein rockiges Gitarrensolo. "Wir bauen Zitate aus der Rockgeschichte ein", fasst Gitarrist Lemmi, der eigentlich Michael Lehnert heißt, die Musik der Mutanten zusammen.

Kennzeichnend für ihr rund zweistündiges Bühnenprogramm sind die deutschen Texte. So haben die Vollblutmusiker etwa eine nahezu vergessene deutsche Version des englischsprachigen Klassikers "Those were the Days" ausgegraben und selbst Adriano Celentanos "Azzurro" singen sie auf Deutsch.

Ein echter Schlagerfan war zu Beginn keiner der ehemaligen Cycocircus-Rocker. "Früher haben wir weder Schlager gespielt noch gehört. Wir sind in den Rock reingewachsen", stellt Andreas Blum alias "Andy van der Bloem" - so sein Künstlername beim Stadl - klar. Bassist Marcus Voggeneder erklärt: "Mir gefällt, was man aus Schlagern machen kann." Einmal selbst Schlager zu spielen und neu zu interpretieren, war ihm deshalb seit langem eine Herzensangelegenheit.

Beim ersten Auftritt grölten sogar Punks die Schlager mit

Doch nicht alle waren begeistert vom unverhofften Sinneswandel der Rockmusiker, die bis dahin die Mainzer Bühnen mit selbst geschriebenen englischen Texten und melodischer Gitarrenmusik à la Saga gerockt hatten. "Beim Schlager scheiden sich die Geister. Die Einen sagen, dass man als Rockband keine Schlager spielen darf, andere finden’s gut", sagt Andreas Blum.

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