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Weltweites Rechnen: Mainzer Informatiker entdeckt Pulsar-Stern

Davon träumt jeder Hobby-Astronom: Einen bislang unbekannten Stern zu entdecken und in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung erwähnt zu werden – und sei es nur in einer Fußnote. Dem Mainzer Informatiker Daniel Gebhardt ist genau das passiert. Er entdeckte einen neuen Himmelskörper in 17.000 Lichtjahren Entfernung, ohne dafür auch nur einen Blick in den Himmel richten zu müssen. Es ist das erste Mal, dass ein Amateurastronom mit dem Internet-Rechenprogramm „Einstein@Home” einen neuen Stern findet.

Sternentdecker Daniel Gebhardt an seinem Arbeitsplatz in der Abteilung Musikinformatik des Musikwissenschaftliches Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
privat
Das passierte am frühen Morgen des 14. Juni in diesem Jahr. Der Arbeitsplatz-Rechner von Daniel Gebhardt im Mainzer Institut für Musikinformatik überträgt ein Rechenergebnis an das Albert-Einstein-Institut in Hannover und die Cornell Universität im US-Bundesstaat New York geschickt. Die automatisierte Auswertung zeigt ein auffälliges Ergebnis, das Profi-Astronomen vorgelegt wird. Messungen mit den weltweit größten Radioteleskopen, darunter auch das im Eifelort Effelsberg, können den „neuen” Stern auffinden, einen „Pulsar“ in 17.000 Lichtjahren Entfernung von der Erde. Der Stern das zusammengepresste Überbleibsel eines früheren Riesensterns nach einer Supernova-Explosion, das schnell rotiert und dabei enorme starke Radiowellen ausstrahlt.

US-Ehepaar machte die gleiche Entdeckung

Der Mainzer ist nicht der einzige, der diesen Stern auffand. Seinen Ruhm teilt er mit dem US-amerikanischen Ehepaar Chris und Helen Colvin aus Ames im Bundesstaat Iowa. Auch ihr Computer hatte Mitte Juni das gleiche Ergebnis berechnet. Allen drei gemeinsam ist, dass sie zwar beruflich mit Computern arbeiten, aber keine Astronomen sind. Wie kann dann eine solche Entdeckung gelingen?

Visualisierung der Einstein@Home-Berechnung
Magnus
Möglich machte es das Projekt Einstein@Home des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik in Hannover und der Universität von Wisconsin. Es verteilt Messdaten zweier Observatorien, des LIGO-Schwerkraftwellen-Detektors und des 305-Meter-Radioteleskops in Arecivo (Puerto Rico) über das Internet an Freiwillige weltweit. Die haben auf ihren PCs eine Software installiert – meist als Bildschirmschoner oder Hintergrundprogramm – die Messdaten und Rechenanweisungen von Einstein@Home entgegennimmt, bearbeitet und das Ergebnis zurücksendet. Verteiltes Rechnen nennt man das.

Erfunden wurde es Ende der 1990er Jahre an der Universität von Berkeley, Heimat vieler Internet-Pioniere. Die Forscher hatten die geniale Idee, Messdaten des größten (unbeweglichen) Radioteleskops der Welt in Arecibo auf Signale außerirdischer intelligenten Lesewesen, Aliens also, zu untersuchen. Die Daten, die als „Abfallprodukt“ normaler astronomischer Beobachtung gesammelt wurden, schickte man an freiwillige Teilnehmer weltweit, die entsprechende Auswertungsprogramme auf ihren Heim- oder Arbeitscomputern installiert hatten. Vorsichtshalber erhalten stets mehrere Teilnehmer die gleichen Aufgaben.

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