Lauter Knall, kein Nebel: Giftfass in Bendorf gesprengt
Bendorf – Giftfass im Rhein gesprengt: Es lag seit dem Zweiten Weltkrieg unter der Wasseroberfläche – jetzt hat der Kampfmittelräumdienst das Wehrmachtsfass bei Bendorf zur Explosion gebracht.
6,25 Kilogramm Plastiksprengstoff haben das verrostete und mit Wasserpflanzen überwachsene Fass am Samstag zerstört. Die Detonation war um 13.10 Uhr kilometerweit zu hören. Aus Sicherheitsgründen wurde die Bundesstraße 42 ab 12.10 Uhr für eine Stunde gesperrt.
Die Sprengung verlief ohne Probleme. Im Vorfeld war befürchtet worden, dass sie eine große, dichte Nebelwolke verursachen könnte. Grund: Das Fass war ursprünglich mit Nebelsäure gefüllt, die aus Chlorsulfonsäure und Schwefeltrioxid besteht. Das Gemisch wird bei Berührung mit Luft zu dichtem Nebel. Dieser ist in hoher Konzentration für Menschen schädlich. Wenn das Gemisch auf Wasser trifft, kann es sich sogar entzünden – mit nicht genau kalkulierbaren Folgen.
Doch zu alldem kam es nicht. „Es entstand nur ganz, ganz wenig Nebel“, sagte Einsatzleiter Fred Pretz (51) im Gespräch mit unserer Zeitung. „Offenbar war das Fass fast leer.“ Wohin und wann die Nebelsäure in den zurückliegenden gut 66 Jahren entschwand, ist unklar. Die Wehrmacht setzte die Nebelfässer im Krieg ein. Sie hüllten damit die deutschen Flakstellungen in undurchschaubare Rauchschwaden, um sie vor feindlichen Luftangriffen zu schützen.
Das Fass lag nahe Bendorf etwa 1,5 Kilometer südlich der Rheinbrücke der Autobahn 48. Dort ist der Fluss derzeit extrem seicht. Das Fass ragte am Rand des sogenannten Graswerths ein gutes Stück aus dem Wasser. Darum hatte es ein Bendorfer Spaziergänger am Donnerstag zufällig entdeckt. Er verständigte daraufhin die Wasserschutzpolizei.
Bei der Sprengung platzierten Spezialisten des rheinland-pfälzischen Kampfmittelräumdienstes 6,25 Kilogramm Sprengstoff der Sorte PETN (Nitropenta) auf dem Fass. Im gefüllten Zustand hätte das Fass bis zu 230 Kilogramm gewogen. Wie viel es tatsächlich wog, ist unklar. Niemand wollte es vor der Sprengung genau untersuchen. Zu gefährlich!
Aber: „Bei der Sprengung bestand keine Gefahr für die Anwohner“, erklärte Pretz, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Vallendar ist. Darum wurden die anliegenden Häuser auch nicht evakuiert.

























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