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Kernfrage bleibt aktuell: Brücke oder Fähre?

Mittelrhein - Der Masterplan für das Welterbe Oberes Mittelrheintal muss aufzeigen, wie sich die außergewöhnliche Kulturlandschaft in den nächsten 10 bis 15 Jahren entwickeln soll. Über die großen Probleme des Landstriches zwischen Koblenz und Bingen gibt es kaum Diskussionen. Bahnlärm, Abwanderung von Einwohnern, Überalterung der Gesellschaft, Häuserleerstände und Verbuschung der Weinberge – da gilt es gegenzusteuern. Darüber herrscht Einigkeit.

Käme die Brücke, könnte sich auch die Kauber Fähre nicht halten, meinen alle Experten. Aber die Brücke ist in weiter Ferne.
Werner Dupuis

Auch darüber, dass im Qualitätstourismus eine große Chance für das Tal und seine Bewohner liegt. Problemlösungen bieten und die Chancen aufzeigen – das ist Aufgabe der zehn mit interessierten Bürgern, Kommunalpolitikern und Vertretern von örtlicher Wirtschaft, Vereinen, Kirchen und Verbänden besetzten Arbeitskreise im kommenden Jahr.
Die Geister scheiden sich nach wie vor an der Kernfrage, wie die seit zwei Jahrtausenden herausragende europäische Verkehrslandschaft – sie ist ein Hauptkriterium für die Aufnahme des Mittelrheintales in die Liste der Welterbestätten – zukunftstauglich gemacht werden kann. Zweckverband, SPD, CDU und FDP, ferner Wirtschaftsverbände und zahlreiche Bürger halten den Bau einer Brücke für notwendig, um die nachhaltige Entwicklung der Verkehrslandschaft im Tal zu fördern. Nur eine Brücke kann in ihren Augen ein Ausbluten des Tales verhindern. Zweckverband und Bürgerinitiative „Pro Brücke“ lassen keinen Zweifel aufkommen: Die Brücke gehört zum Masterplan. Der vom Unesco-Welterbekomitee bis 2013 geforderte Masterplan dürfe „kein Papier nach Kassenlage“ sein und müsse länger als eine Legislaturperiode Geltung haben, sagte Zweckverbandsvorsitzender Günter Kern bei der ersten Bürgerversammlung zum Masterplan in St. Goar (wir berichteten). Kern konterte damit die Aussage der grünen Ministerin Eveline Lemke, eine Brücke könne sich das Land aus finanziellen Gründen nicht leisten. Damit zog sich die Ministerin den Zorn der Mitglieder der BI „Pro Brücke“ auf sich.
Die Grünen und die im Aktionsbündnis vereinigten Verbände aus dem Denkmal-, Natur- und Landschaftsschutz haben bisher nur am Rande finanzielle Gründe gegen die Brücke ins Feld geführt. Ihre Einwände sind grundsätzlicher Natur: Eine Brücke beeinträchtigt die visuelle Integrität des Welterbes. Zur Weiterentwicklung der Verkehrslandschaft genügt die Verbesserung des Fährverkehrs. „24 Stunden jetzt“, lautet die Forderung der Bürgerinitiative Rheinpassagen. Die rot-grüne Landesregierung ist aber weit davon entfernt, diese Forderung zu erfüllen.
Das Aktionsbündnis sieht in den Fähren ein wichtiges Element der Verkehrsinfrastruktur. So sorgten sie 2000 Jahren in dem „einmaligen canyonartigen Engtal“ für den nötigen Austausch, gehörten damit „eindeutig zum wertbestimmenden Charakter der Landschaft und seien daher „wichtiger Teil des Welterbes“. Zudem gehöre das Mittelrheintal weltweit zu den wenigen noch erhaltenen Fährenlandschaften. Mit dieser Huldigung des Fährverkehrs machte sich Christian Möller vom Aktionsbündnis in St. Goar aber kaum Freunde. ww

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