Analyse: Stadt der Wissenschaft wurde zur Netzwerkschmiede
Mainz - Das Emblem "Stadt der Wissenschaft" pappte in diesem Jahr auf unzähligen Plakaten, führte Institutionen zusammen und machte Mainzer neugierig. Doch auch jenseits der groß angekündigten Ausstellungen und Aktionen brachte der Titel viel: Von Vernetzungen, die weit über das Jahr hinaus reichen werden, profitieren Museen, Hochschulinstitute und nicht zuletzt die Mainzer.
Ein aktuelles Beispiel ist die Ausstellung "Klimazeugen - 400 Millionen Jahre Dynamik und Wandel in Rheinland-Pfalz" im Naturhistorischen Museum. Das Haus kooperierte mit dem Institut für Geowissenschaften der Universität und dem Institut für Mediengestaltung der Fachhochschule (FH). "Diese Zusammenarbeit wird über das Jahr hinaus weitergeführt", versicherte Museumsdirektor Michael Schmitz. "Wir haben sogar feste Verträge geschlossen."
Animierte Szenen aus der Urzeit
Das "Mobile stereoskopische Surround-Projektion", vereinfacht beschrieben ein 3D-Kino mit 300-Grad-Winkel, wäre ohne die FH-Klasse für Zeitbasierte Medien nicht realisierbar gewesen. Hier sind animierte Szenen aus der Urzeit zu sehen: Wollnashörner, Elefanten, Urhaie und Seekühe tummeln sich auf der Leinwand. "Wir werden weiter daran arbeiten", verspricht Schmitz. Geht es nach ihm, wird es eine Kooperation auf Dauer.
Wohl am auffälligsten präsentierte sich das wachsende Netzwerk bei der Ausstellung "Spektrale" im Sommer in der Rheingoldhalle: Rund 35 Wissenschaftler und ebenso viele Künstler ließen Naturwissenschaft und Kunst aufeinandertreffen.
Doch es ging auch kleiner und persönlicher: Am Familientag des Botanischen Gartens der Universität nahmen in diesem Jahr ungewöhnlich viele Institutionen und Museen teil. "Alle, die Umweltbildung machen im Mainzer Raum, sind hier zusammengekommen", erzählte Marion Ude, Umweltpädagogin beim Umweltamt. Mit Stefan Dorschel, dem Förster vom Lennebergwald, hatte sie bereits früher gearbeitet, aber die Leute vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) lernte sie erst jetzt kennen. "Allein wegen solch neuer Kontakte hat sich die Sache mit der Stadt der Wissenschaft schon gelohnt", war auch Dorschel begeistert.
Viele spannende Fußnoten
Und dann gibt es seit diesem Jahr das "LyrikLabor": Studenten der Germanistik und der Innenarchitektur, der Universität und der FH, hatten sich zusammengetan, um Poesie für alle Sinne zu öffnen. "Hier ist eine wunderbare Kooperation zustande gekommen, an die wir wohl ohne Mainz als Stadt der Wissenschaft nie gedacht hätten", sagte FH-Präsident Gerhard Muth.
Die Idee zum "LyrikLabor" stammt von Kerstin Rüther, Lehrkraft am Deutschen Institut der Uni, und Susanne Maier-Staufen, FH-Gastprofessorin und Bühnenbildnerin am Staatstheater. Beide lernten sich bei einer Veranstaltung zur Stadt der Wissenschaft kennen. Sie loteten Gemeinsamkeiten aus und stifteten in der Folge ihre Studenten zum "LyrikLabor" an. Dieses Experiment hat Folgen: Das Gutenberg-Lehrkolleg bewilligte Gelder, damit das "LyrikLabor" der FH, der Uni und Mainz erhalten bleibt.























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