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Abends fahren die Rheinfähren Minus ein

Mittelrhein - In den Abendstunden sind die Überfahrten für private Fährunternehmen am Mittelrhein unwirtschaftlich. Nicht selten müssen die Fährleute eine Leerfahrt in Kauf nehmen, um die Fahrgäste vom anderen Ufer aufzunehmen und über den Rhein zu befördern. Fazit: Ohne Fördermittel oder Zuschüsse lohnt sich der Betrieb abends nicht. Das ist das nüchterne Ergebnis einer Nachfrage unserer Zeitung unter den Fährbetreibern in Boppard, St. Goar, Kaub und Niederheimbach.

Derzeit transportieren vier Fähren pro Tag rund 1300 Fahrzeuge. Das Maximum pro Stunde beträgt 670 Fahrzeuge oder 16.080 Fahrzeuge im 24-Stunden-Betrieb. Die Kapazitäten werden also nahezu nie voll ausgereizt. Daran hat auch das Aus für die Mittelrheinbrücke und die öffentlichen Diskussion um die Ausweitung der Fährzeiten nichts geändert. Zwischen der Mainzer Landesregierung und den Fährbetreibern hat es bislang noch keine Gespräche gegeben.
Bei Michael Schnaas, der mit seiner Fähre zwischen Niederheimbach und Lorch pendelt, ist nach 18 Uhr nicht mehr viel los. Im Durchschnitt transportiert er dann bis zum Feierabend gerade mal zwei bis drei Autos. „Von einem wirtschaftlichen Betrieb in den Abendstunden sind wir weit entfernt“, klagt er. Um den Betrieb auf mehrere Stunden täglich ausdehnen zu können, müsste Schnaas zusätzliches Personal einstellen. Denn momentan arbeiten seine Mitarbeiter 48 bis 50 Stunden pro Woche. Der Unternehmer befürchtet Umsatzeinbußen, wenn doch noch eine Brücke gebaut werden sollte. Dann sei die Existenz aller Fährbetreiber gefährdet.

Bei Klaus Hammerl von der Fähre Loreley in St. Goarshausen hält sich der Andrang der Kunden zwischen 21 bis 23 Uhr ebenfalls in Grenzen, sodass es immer wieder zu Leerfahrten kommt. „Die letzten beiden Stunden sind nicht kostendeckend“, sagt er. Er ist sich sicher: Eine Rheinbrücke wäre der Todesstoß für sein Geschäft. Für seine Kollegen wäre es ein Sterben auf Raten. Hammerl schlägt stattdessen vor, die Fährzeiten geringfügig zu erweitern. Im Gegenzug solle die öffentliche Hand Bürgern in den betroffenen Landkreisen Rhein-Hunsrück und Rhein-Lahn die Fahrpreise subventionieren.

Norbert Beysiegel von der Kauber Fährgemeinschaft Erlenbach, Kimpel und Beysiegel ist hingegen nach allen Seiten offen. „Konkret ist noch nichts geschehen“ sagt er. Bei der Sitzung am Montag, 8. August, ab 15 Uhr im Hotel „Bellevue“ in Boppard, werde der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz zu Fährzeiten, Fahrzeitenverlängerung Vorschläge unterbreiten. „Bislang haben wir vom Land noch keinerlei Post erhalten.“
Ins gleiche Horn stößt der Bopparder Fährbetreiber Tony Deleu, der ebenfalls in den Abendstunden ein Minus einfährt und bei einer Verlängerung der Fährzeiten keine Wirtschaftlichkeit sieht. sub

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