Der nackte Kurt Beck wurde bei Wikipeda schnell entdeckt
Mainz - Singt Kurt Beck wirklich gern nackt am Hauptbahnhof? Das wurde kurzfristig in einem Wikipedia-Artikel über den Ministerpräsidenten behauptet. Wie so etwas geschieht, das erforscht der Mainzer Medienwissenschaftler Thomas Roessing. Im Teil 1 unserer neuen Serie "Orte der Wissenschaft", für die wir uns auf die Suche begeben in der "Stadt der Wissenschaft".
Auf dem Bildschirm von Thomas Roessing taucht der Wikipedia-Artikel zu Kurt Beck auf. "Wir betreiben jetzt mal Live-Forschung", feixt der Medienwissenschaftler. Rechts oben klickt er die Rubrik "Versionsgeschichte" an, dann schaut er nach, was es im Laufe der Zeit an Veränderungen in dem Beitrag gegeben hat.
"Sie sehen, allzu viel passiert da nicht." An einem Tag finden sich höchstens mal zwei Bearbeitungen, dann ist es wieder eine Weile ruhig. Eine interessante Variante entdeckt er am 20. Februar. Dort ist vom Ministerpräsidenten zu lesen: "Darüber hinaus singt er gerne nackt am Mainzer Hauptbahnhof."
"Das sind die grellen Dinge, die einem sofort auffallen", meint Roessing. Ihm geht es bei seiner Forschung aber um viel mehr als nur um die Entdeckung solcher Kuriositäten. Seit 2006 beschäftigt sich Roessing am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität mit der Internet-Enzyklopädie Wikipedia. "Ich könnte Ihnen tagelang was darüber erzählen", meint er. Leider muss er sich etwas zügeln, aber immerhin: Das Gespräch dauert knapp zwei Stunden. Es geht darum, wie sich Politik in Wikipedia niederschlägt und wie dort allgemein gerungen wird um Themen und Einträge.
Wikipedia wurde 2001 als freie Enzyklopädie im Netz gegründet. Im Prinzip kann jeder die einzelnen Artikel bearbeiten, alles geschieht ehrenamtlich. Heute gibt es die Enzyklopädie in mehr als 230 Sprachen. Die deutschsprachige Version enthält gut 1,2 Millionen Artikel und ist damit nach der englischen mit 3,5 Millionen die zweitgrößte Wikipedia.
"Einige tausend User sind der harte Kern, der in Deutschland an Wikipedia mitarbeitet", erzählt Roessing. Er selbst gehört auch zur Community. Aus diesem Kreis wiederum werden User gewählt, die besondere Rechte bekommen, allen voran die Administratoren, die unter anderem Wikipedianer, die Unsinn anrichten, ausschließen oder Artikel löschen können.
Unter den Informationsquellen im Internet steht Wikipedia nach den Angeboten von Zeitungen und Nachrichtenmagazinen an dritter Stelle. Damit ist die Enzyklopädie ein wichtiger Faktor bei der Meinungsbildung. "Für eine kurze Orientierung ist sie auf jeden Fall besser geeignet als irgendeine private Homepage", meint Roessing, "und sie ist auf jeden Fall genauso brauchbar wie jede Enzyklopädie."














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