Lippenbekenntnisse bei der WM: Julia Probst sieht, was die Spieler sagen
Neu-Ulm -Während die Experten bei der WM das Spiel lesen, schaut Julia Probst, was die Spieler sagen. Die 28-Jährige aus der Nähe von Neu-Ulm ist von Geburt an taub und kann von den Lippen lesen. In ihrem Blog und bei Twitter verblüfft sie ihre Leser damit, dass sie wiedergibt, was auf dem Platz gesprochen wird. Das Interview haben wir per E-Mail geführt.
Ist es nicht ein wenig unfair, wenn Sie wissen, was Bastian Schweinsteiger nach dem 4:1 gegen England seiner Freundin am Tribünenrand sagt?
Klar! Ich frag mich schon ab und zu, ob ich das überhaupt verraten darf, was er seiner Sarah nach dem Spiel zuflüstert. Aber bisher war kein echter Skandal dabei. Nach dem Sieg sagte er übrigens mit einem Augenzwinkern zu ihr: „Bis später!“
Sie lesen jeden Tag von Lippen ab, da Sie von Geburt an taub sind. Sie sehen das aber nicht als Handicap?
Nein, für mich ist es kein Handicap. Ich denke, Menschen mit Behinderung sind nicht wirklich behindert, sondern werden dazu gemacht.
Viele Spieler wissen anscheinend, dass immer öfter Lippenleser am Spielfeldrand oder Bildschirm sitzen.
Ja, in Südeuropa ist es durchaus üblich, dass Lippenableser im Fernsehen eingesetzt werden. Das Schiedsrichtergespann beim Spiel Argentinien - Mexiko war aus Italien, und die haben sich die Hand vor den Mund gehalten. Ich kann mir vorstellen, dass sie nicht wollten, dass die Welt mitbekommt, worüber sie nach dem ersten Tor im Spiel diskutierten.
Sind Sie selbst Fußballfan?
Nein, so sehr Fan bin ich nicht. Seit der „Ära Klinsmann“ sehe ich ganz gern Länderspiele, weil da endlich Schluss war mit dem „Rumpelfußball“. Und natürlich Spiele einer Welt- und Europameisterschaft.
Wie weit werden unsere Jungs noch kommen? Dank Ihnen wissen wir ja, dass die Kommunikation in der Mannschaft zu stimmen scheint.
Wir kicken uns ins Finale und werden Weltmeister, was sonst?
Akzeptiert. Wie stark müssen Sie sich konzentrieren, um Worte aufzuschnappen? Und vergessen Sie da nicht manchmal den Torjubel?
Ich konzentriere mich gar nicht so sehr auf das Lippenlesen, ich mache das ja jeden Tag. Unverständliches klammere ich aus. Es wäre Hexerei, wenn ich alles nebenbei aufschnappen könnte. Den Torjubel vergesse ich natürlich nicht. Ohne den würde Fußball auch keinen Spaß machen!









Diesen Artikel versenden