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    TuS Koblenz in Finanznöten: Trainer Sander sorgt sich um Zukunft des Fußball-Regionalligisten

    Koblenz. Über die TuS Koblenz wird wieder gesprochen – in der Stadt an Rhein und Mosel, auch in der Region. Das ist gut. Zumindest was die sportliche Seite betrifft. Als Aufsteiger belegt die Mannschaft von Trainer Petrik Sander derzeit einen ausgezeichneten sechsten Platz in der Regionalliga Südwest. Doch die TuS hat es schon immer verstanden, das Themenspektrum über den Fußball hinaus zu erweitern. Selten lag dann Gutes in der Luft.

    Wie geht es mit TuS Koblenz weiter? Trainer Petrik Sander hat berechtigte Sorgen. Foto: Wolfgang Heil
    Wie geht es mit TuS Koblenz weiter? Trainer Petrik Sander hat berechtigte Sorgen.
    Foto: Wolfgang Heil

    Auch zurzeit ist es so, dass die finanzielle Lage des Klubs mit der sportlichen Entwicklung nicht Schritt halten kann. Die führungslose TuS – am 1. Juni wird eine neuer Vereinspräsident gewählt – befindet sich in Finanznöten. Mal wieder. Und Sander sieht sich ans Jahr 2011 erinnert, als die TuS aus der Dritten Liga absteigen musste. Zwangsläufig. Weil das Geld fehlte. Kriegt der Klub diesmal die Kurve? Nur wenn sich schleunigst was tut, erklärt Sander im Interview.

    Trotz eines Etats, der im unteren Drittel der Liga angesiedelt ist, spielt die TuS als Aufsteiger eine bemerkenswerte Saison. Wo liegen die Stärken dieser Mannschaft?

    Wir haben ein gewisses Maß an Geschlossenheit und Charakterstärke. Die Mannschaft schafft es immer wieder, an ihre Grenzen und darüber hinaus zu gehen. Sie kann sich auf gewisse Mechanismen verlassen, die wir uns hart erarbeiten mussten. Natürlich dürfen und können wir uns wegen des kleinen Kaders nicht viele Ausfälle erlauben. Das haben wir bis jetzt gut hinbekommen – wir funktionieren einfach gut als Mannschaft.

    Im Moment sind Sie im sportlichen Bereich und in Sachen Management Mädchen für alles. Wünschen Sie sich manchmal etwas mehr Entlastung, durch einen Sportdirektor?

    Wir machen das jetzt seit zwei Jahren so, dass ich mit meinem Co-Trainer Gilbert Gorges zusammen diese Aufgaben übernehme. Und das funktioniert eigentlich ganz gut. Das belegen die Ergebnisse. Mit wachsenden Erfolgen steigen natürlich auch die Anforderungen. Aber dann sind wir schnell beim Thema Finanzen. Und das Geld für einen Sportdirektor stecke ich dann doch lieber in die Mannschaft.

    Womit wir beim Thema Geld wären. Hinter dem Etat für die nächste Saison, die ja wenn möglich eine Fortsetzung der momentanen sein soll, steht derzeit in dickes Fragezeichen. Zudem ist der Klub ohne Präsident derzeit führungslos. Macht Ihnen die Situation Angst?

    Ja. Das muss ich unumwunden zugeben. Ich sehe viele Parallelen zur Saison 2010/2011. Ich verhehle nicht, dass sich alle Beteiligten in diesem Verein mühen. Aber ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels. Es dürfte kaum möglich sein, mehr in sportliche Vorleistung zu gehen, als diese Mannschaft es getan hat. Wir sind mit demselben Etat, den wir in der Oberliga hatten, in diese Regionalliga-Saison gegangen. Aber selbst dieser Etat von deutlich unter 1 Millionen Euro für den gesamten Profibereich ist nicht so gedeckt, wie mancher das vielleicht denkt. Nach den bisher geführten Gesprächen gehe ich davon aus, dass wir selbst diesen Etat für die nächste Saison nicht werden halten können. Das ist schon ernüchternd. Da rede ich gar nicht von einer Steigerung, um die Mannschaft weiter entwickeln zu können, sondern lediglich davon, das Niveau zu halten. Ich warne davor: Wir sind dabei, all das, was wir uns sportlich in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, jetzt aufs Spiel zu setzen.

    Sie haben beim Spiel in Kassel, das bei Sport1 übertragen wurde, in der Halbzeit vor einem Millionenpublikum gesagt, dass Sie auf ein Signal der Vereinsführung warten. Was genau haben Sie damit gemeint?

    Eine Entscheidung. Und es stehen derzeit mehrere Entscheidungen an. Die Grundlegendste ist die: Möchte man hier in Koblenz leistungsorientierten Fußball haben oder nicht? Da sind die Politik und die Wirtschaft gleichermaßen als Antwortgeber gefragt. Darauf gibt es nur zwei Antworten. Entweder ja oder nein! Wenn nein, dann ist das auch eine Entscheidung. Mit der müssten wir alle leben. Aber es ist eine Entscheidung. Zurzeit bewegen wir uns im Jein, im Vielleicht, im Schauen wir mal. Im Bereich der Hoffnung.

    Erhoffen Sie sich in dem Zusammenhang vom 1. Juni, von der Wahl eines neuen Präsidenten, einen Umschwung, einen Wandel zum Besseren?

    Ich hoffe das. Aber dann dürfte es schon zu spät sein. Mit der sportlichen Entwicklung haben wir uns ja einen Vorteil verschafft gegenüber anderen Vereinen, der immens ist. Aber diesen Vorteil können wir nicht nutzen. Ich kann derzeit keinem Spieler etwas sagen, weil ich selbst im Ungewissen bin. Wir sind mit unserer Leistungsfähigkeit eine Adresse geworden im Regionalligabereich. Das bestätigen mir alle Berater in den geführten Gesprächen über potenzielle Neuverpflichtungen. Wenn du dann aber nicht weißt, wohin die Reise geht, schenken wir den ganzen Vorsprung wieder her.

    Und die Situation wird von Woche zu Woche komplizierter...

    ... richtig – und das gilt für alle Beteiligte: Präsidium, Spieler, Trainer, Sponsoren und auch Fans. Es mündet dann in Unzufriedenheit und hinterlässt Zweifel. Ich würde gern hier weiterarbeiten, weil es bestimmte Dinge gibt, die ich hier vorfinde. Ich genieße eine hohe Wertschätzung, kann in Ruhe arbeiten und habe verlässliche Partner an meiner Seite. Aber es gibt auch Grenzen. Ich werde nicht tatenlos zuschauen, wenn wir am Ende lediglich eine Mannschaft zusammenstellen können, die keinen Regionalliga- Ansprüchen genügt.

    Machen Sie Ihren Verbleib von der weiteren Entwicklung abhängig?

    Natürlich muss ich das machen. Etwas mit heißer Nadel Gestricktes, eine Not-Elf – das wird es mit mir nicht geben. Entscheidungen sind gefragt. Im Moment trainieren wir unter professionellen Bedingungen. Aber auch mit dem Modell eines Halb-Profitums hätte ich kein Problem. Dann müssen aber auch die Bedingungen dafür geschaffen werden. Sprich: Arbeitsplätze, Studienplätze, Ausbildungsplätze und so weiter. Die Jungs brauchen eine Perspektive haben. Von alledem sehe ich nur Ansätze. Wir brauchen endlich Klarheit.

    Kurz nachgehakt. Wie die Wirtschaft helfen kann, liegt auf der Hand. Was könnte die Politik tun?

    Die Politik sollte endlich erkennen, welch enormen Marketingwert die TuS für diese Stadt hat. Vier Jahre in der Zweiten Bundesliga haben Koblenz republikweit einen Namen verschafft. Auch die Stadtväter müssen die Entscheidung treffen, ob sie professionell betriebenen Fußball wollen. Es sieht nicht danach aus. Nur ein Beispiel: Demnächst wird die Tartanbahn im Stadion für mehr als 1 Million Euro erneuert. Für den Leistungssport, den Breitensport, für Schüler und Studenten. Schön und gut. Aber wo sollen sich diese Sportler umkleiden? In den Kabinen, die völlig veraltet sind und kaum Platz bieten? Wo warmes Wasser in einem Elektroboiler aufbereitet wird? Da können zwei Mannschaften warm duschen. Danach ist Schluss. Gegenwärtig ziehen sich die Sportler in ihren Autos, auf den Trainerbänken oder auf der Tribüne um. Von den anderen sanitären Bedingungen gar nicht zu reden. Wichtiger und sinnvoller wäre es doch gewesen, zunächst eine neue Tribüne, mit ansprechenden sanitären Einrichtungen und ausreichend Umkleidekabinen für diese Sportler zu bauen. Die Tartanbahn hätte bestimmt noch ein paar Jahre ihren Dienst verrichtet. So aber wird das Pferd von hinten aufgezäumt.

    Das Gespräch führte unser Redakteur Klaus Reimann

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