Wetklo: "Den muss ich halten!"
Gelsenkirchen - "Das Tor", sagte Christian Wetklo, und verzog sein Gesicht. "Ja, äh, was soll ich groß sagen", fuhr er fort und sagte: "Scheißtor."
Eine glückliche Figur hatte der Schlussmann des FSV Mainz 05 in der 59. Minute nicht abgegeben, als Chinedu Obasi als erster und einziger Schalker an diesem Nachmittag eine Lücke fand, durch die er den Ball über die Mainzer Torlinie befördern konnte. Auf der rechten Abwehrseite hatte der Neuzugang des S04 sich zunächst gegen Zdenek Pospech durchgesetzt, war dann schräg aufs Mainzer Tor zugelaufen - und schoss den Ball aus spitzem Winkel zwischen Wetklo und dem Pfosten hindurch zum 1:1 ein.
"Ich habe die Ecke kurz aufgelassen, und er trifft genau rein", fasste Wetklo zusammen. Die Diskussion, ob Obasi überhaupt diesen Abschluss gesucht hatte oder ihm dem Ball über den Schuh gerutscht war, führte der Mainzer Keeper nicht. "Auch wenn er ihm abrutscht, muss ich den halten", zeigte sich Wetklo selbstkritisch. In die kurze Ecke darf er nicht reingehen." Allerdings sei es nicht immer einfach, unter dem Dauerdruck, den die Schalker mit Beginn der zweiten Halbzeit aufgebaut hatten, "wenn man so mit Flanken bombardiert wird", immer die richtige Entscheidung zu treffen. "In dem Fall war es eine falsche, und dann sieht man als Torwart nicht gut aus."
Andererseits: Hätte Wetklo tatsächlich auf der Linie kleben müssen, für den Fall, dass Obasi draufhalten würde? Oder war es nicht doch sinnvoll, ein, zwei Schritte aus dem Tor herauszumachen, um ein anzunehmendes Anspiel auf den im Fünfmeterraum lauernden Raúl abzufangen? Vielleicht war es in diesem Moment auch ein Kommunikationsproblem; auch Niko Bungert hatte sich in Richtung des von Nikolce Noveski attackierten Spaniers orientiert. Bungerts Rettungsversuch kam zu spät.
Ansonsten aber zeigte sich die Mainzer Hintermannschaft unüberwindbar. "In der zweiten Halbzeit ging es in unserem Strafraum ja hoch her", verwies Manager Christian Heidel vor allem auf die von Jefferson Farfan und Christian Fuchs geschlagenen Bälle. "Ich glaube, die haben uns 27 Flanken um die Ohren gehauen", sagte Heidel. "Aber Wetti und die Innenverteidiger haben alles abgeräumt. Ich habe nicht gezählt, wie viele Kopfbälle Niko und Nikolce bekommen haben."
Einmal war auch Wetklo selbst abgeräumt worden - äußerst unsanft von S04-Abwehrmann Kyriagos Papadopoulos. Kurz darauf standen sich die beiden Auge in Auge, Stirn an Stirn gegenüber. "Das ist doch unmöglich, wie der da reingerauscht kommt", beschwerte sich Wetklo auch später noch. "Mit zehn Metern Anlauf, aber ohne Chance auf den Ball."
Das tête-à-tête mit dem kantigen Griechen hatte Wetklo furchtlos hinter sich gebracht. "Das ist zwar ein bulliger Typ", sagte der 05-Schlussmann grinsend, "aber er ist ein bisschen kleiner als ich."
Peter H. Eisenhuth









Diesen Artikel versenden