Kommentar: Kein Platz für Romantik
Mainz - Für Romantik gibt es keinen Platz im professionellen Fußball. Dass sich Spieler einem Verein, der ihnen die Entwicklungsmöglichkeit bietet, die Gelegenheit, ihren Bekanntheitsgrad und vor allen Dingen ihren Marktwert zu steigern, über Jahre hinweg verschreiben, bleibt heutzutage in diesem Geschäft die Ausnahme. Das mag man bedauern, aber es ist nun mal so.
Und daraus lässt sich auch nur schwer ein moralischer Vorwurf ableiten. In Sachen Christian Fuchs hat diese Konstellation immerhin zu einer Win-win-Situation geführt. Mainz 05 hat vor einem Jahr zu fairen Konditionen einen Spieler bekommen, dessen Transfer der Klub nicht auf einen Schlag komplett hätte bezahlen können. Und der über eine ganze Saison hinweg Leistung gebracht, sich enorm weiterentwickelt hat und am Erfolg der Mannschaft erheblichen Anteil trägt.
Fuchs akzeptierte vor einem Jahr in einer für ihn eher schwächeren Ausgangsposition bei einem abgestiegenen Verein eine Ausleihe mit Anschlussvertrag am Bruchweg, der ihm selbst gutes Geld und dem Verein eine langfristige Sicherheit gewährleistete.
Deal mit Ausstiegsklausel
Der Klub musste diese Ausstiegsklausel, die ja auch beileibe nicht gering ist für einen Verein wie Mainz 05, schlucken, sonst wäre dieser Deal erst gar nicht zustande gekommen. Neu an der Geschichte für hiesige Verhältnisse ist daran, dass der Spieler nach seinen beständig guten Leistung im 05-Bundesligateam das vorhandene Interesse größerer und finanzstärkerer Vereine selbst anfeuerte. Plötzlich stellte Fuchs fest, dass er nun anderswo bedeutend höhere Gagen erlangen konnte als die, die ihm am Bruchweg vertraglich zugesichert waren. Der Profi nahm die Geschicke selbst in die Hand, führte ein Interview mit sich selbst, ließ dies von seinem Berater in diverse Redaktionen verschicken und brachte damit den Stein richtig ins Rollen.
Eigenbewerbung
Eine subtile Bewerbung in eigener Sache über die Medien. Neuland in Mainz.
Der FSV hätte Fuchs natürlich gerne behalten, verzeichnet sportlich damit auch sicherlich einen herben Verlust, wirtschaftlich jedoch den nächsten happigen Erfolg. Denn die gut drei Millionen Euro, die den 05ern als Verdienst aus diesem Geschäft bleiben, erhöhen dem Management erneut den Rahmen, um in die eigene Vereinsphilosophie zu investieren.








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