Schrift:

Gladbach: Lucien Favre geht angeblich nie ohne Taktiktafel vor die Haustüre

Mönchengladbach/Mainz - Lucien Favre. Das ist der Held in Mönchengladbach.

Beste Freunde: Der Ex-05er Roman Neustädter (oben) und der Umschalttorjäger Marco Reus. Foto: dpa
picture alliance / dpa

An ihrem Trainer machen die Verantwortlichen der Borussia die erstaunlichen Erfolge des Klubs fest. Der Fachmann aus der Schweiz gilt als topseriöser, fleißiger, akribischer Arbeiter, der sehr viel von Taktik versteht. Und, was nicht minder wichtig ist, der diese taktischen Vorstellungen über intensive und kreative Trainingsarbeit auch an die Spieler vermitteln kann.

Diese Qualität schätzte man davor auch schon bei Hertha BSC Berlin. Da rettete der 54-Jährige den Klub in der Endphase der Saison vor dem Abstieg (2007/08). Danach führte Favre die Hertha mit strammen 63 Punkten sensationell auf Rang vier (2008/09) - nur hauchdünn vorbeigeschrammt an der Champions-League-Qualifikation. In der Saison darauf wurde der Erfolgscoach am 7. Spieltag gefeuert: Da war die Hertha nach einem 1:5 in Hoffenheim Tabellenletzter mit mickrigen drei Zählern auf dem Konto. Die Berliner stiegen ab als Tabellenletzter.

Wieder ein Tabellenletzter

Als Lucien Favre in der vergangenen Saison wieder aufs Bundesligakarussell aufsprang, da übernahm er, lustig, am 23. Spieltag - wieder einen Tabellenletzten: Borussia Mönchengladbach. Ein vermeintlich aussichtsloser Fall. Der Schweizer schaffte das Wunder. Die Borussia rettete sich über die Relegation. In zwei engen Spielen gegen den VfL Bochum.

Und in dieser Saison steht der Fachmann nun mit dem Beinaheabsteiger weit oben. Ganz oben. Rang vier nach 17 Spieltagen. 30 Punkte. Nur vier Zähler hinter Spitzenreiter Bayern München. Auf Augenhöhe mit Titelverteidiger Borussia Dortmund (31 Punkte). Das ist kein Lauf mehr. Saisonübergreifend hat Favre mit den Gladbachern in 27 Spielen 50 Punkte geschnappt. Das signalisiert Qualität. Dazu Willensstärke und Teamgeist, unabdingbar für Leistungskonstanz. Nichts schweißt mehr zusammen als ein erfolgreich bestandener langer und knüppelharter Abstiegskampf.

Neuzugänge noch ohne Chance

Die Gladbacher sind eingespielt. Nicht ein einziger Neuzugang hat es geschafft, sich dauerhaft in die Startelf zu kämpfen. Der Kreis, der den Abstieg vermieden hat, steht jetzt oben: Der junge Keeper Marc-André ter Stegen, die Abwehrreihe mit Tony Jantschke, Martin Stranzl, Dante und Filip Daems, die Mittelfeldsechser Roman Neustädter, Havard Nordtveit oder Torben Marx, die Offensivreihe mit dem überragenden Marco Reus, mit Juan Arango, Patrick Herrmann, Igor de Camargo, Raul Bobadilla und Mike Hanke. Das ist der Stamm. Keine Übermannschaft. Aber eine gefestigte, von Begeisterung und Überzeugung getragene Einheit, in der die taktischen Prinzipien des Trainers sitzen.

1 von 2
Weiter
5.0
5,0 (4 Stimmen)

Event-Kalender