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Welterbe-Beauftragter krönt Lobbyarbeit mit flammender Rede

Brasilia/Rheinland-Pfalz. Die Brückenfreunde jubeln in Brasilia und am Mittelrhein: Der rheinland-pfälzischen Delegation ist es gelungen, den Beschluss des Unesco-Welterbekomitees um die entscheidende Passage zu ergänzen. „Der nationale Planungsprozess kann jetzt beginnen", zitiert überglücklich und per Handy der Rhein-Hunsrück-Landrat Bertram Fleck, stellvertretender Vorsteher des Welterbe-Zweckverbands, aus der noch geheimen Beschlussvorlage. „Das ist der Durchbruch!", sagt er noch, dann geht er feiern.

Von unserer Redakteurin Claudia Renner

Vorausgegangen war viel Lobbyarbeit hinter den Kulissen des internationalen, aber ohne deutsche Vertreter besetzten Gremiums. Schließlich wurde Russland als Antragsteller gewonnen.

„Wir wollen die Brücke, weil wir das Mittelrheintal und die Menschen dort lieben"

Höhepunkt der 22-minütigen Brücken-Debatte war eine übereinstimmend als ergreifend geschilderte Rede, für die der rheinland-pfälzische Welterbe-Beauftragte Kulturstaatssekretär Walter Schumacher sein Schul-Englisch reaktivierte: „Wir wollen die Brücke, weil wir das Mittelrheintal und die Menschen dort lieben", sagte er sinngemäß.

Komitee lobt kooperativen Stil des Landes

Ausdrücklich gelobt habe das Komitee die Strategie des Landes, von Anfang an engen Kontakt mit der Unesco zu pflegen und nicht – wie Dresden mit der Waldschlösschenbrücke – mit einem Baubeginn vollendete Tatsachen zu schaffen.

„Sehr froh" über die Entscheidung zeigt sich die Industrie- und Handelskammer Koblenz. „Die Brücke wird entscheidend dazu beitragen, den Wirtschaftsstandort Mittelrhein langfristig zu sichern", sagt Hauptgeschäftsführer Hans Jürgen Podzun.

Verkehrsminister Hering will "nichts übers Knie brechen"

Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD) will gleichwohl „nichts übers Knie brechen". Beim Raumordnungsverfahren „wollen wir uns bewusst Zeit lassen, das gründlich vorzubereiten, damit es gerichtsfest ist". Baurecht soll bis 2014 bestehen. Dann folgt die Ausschreibung für das nach wie vor mit 40 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer veranschlagte Projekt. Geplanter Baubeginn ist Ende 2015 oder Anfang 2016, Fertigstellung im Jahr 2018.

CDU-Opposition regiert abwartend

Die Opposition reagiert abwartend, solange sie den Beschlusstext nicht selbst lesen kann. Bisher nutze die Landesregierung ihr Deutungsmonopol. „Wenn sich das bestätigt, ist das eine gute Nachricht für die Menschen im Mittelrheintal", kommentiert CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner. Der parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer Hans Josef Bracht aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis hofft, „dass das Ergebnis wirklich so eindeutig ist, wie es die Regierung verkündet".

Grüne bedauern den Entschluss für die Brücke

Grünen-Landesvorsitzende Eveline Lemke, Wortführerin eines Netzwerks von Brücken-Kritikern, „bedauert den Beschluss". Er bedeute aber noch nicht, dass die Brücke gebaut werde, denn im Raumordnungsverfahren können sich Umwelt- und Denkmalschutzverbände einbringen. „Wir werden das Verfahren kritisch begleiten", kündigt Lemke an. „Die Fähren können ,sterben', die Verkehrs- und Lärmbelastungen werden noch stärker zunehmen, und der Naturschutz ist in Gefahr."

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