Wahlkampf-Tweet alarmiert Feuerwehr-Führung
Idar-Oberstein. - Twitter wird oft belächelt und abgetan – manchmal aber vielleicht auch etwas zu ernst genommen: Der Tweet eines grünen Landratskandidaten mit gerade einmal 35 Followern hat es geschafft, die Spitzen der versammelten Feuerwehrlandschaft im Kreis Birkenfeld in helle Aufregung zu versetzen.
Die komplette Führungsgruppe der Feuerwehren im Kreis Birkenfeld protestierte in einem Brief an Thomas Petry gegen die „diffamierende Äußerung" - und er hat daraufhin zerknirscht gelöscht, was er da am 27. April als @Wasserweck getwittert hatte.
Über den Zwischenspeicher der Google-Suche ließ sich der Tweet sich aber am Freitag noch aufrufen: „Für die notwendigen Investitionen aus Steuermitteln wird der ,Landgraf’ hoch dekoriert. Feuerwehrmänner müssen hierfür ihr Leben riskieren“, hatte er geschrieben. Eine Reaktion darauf, dass Landrat Axel Redmer (SPD) kurz zuvor die goldenen Ehrennadel des Kreisfeuerwehrverbandes erhalten hatte.
Der attackierte Landrat bat daraufhin seine immerhin 92 Follower um Verständnis, „dass ich angesichts des ungeheuerlichen Petry-Tweets bis zum 30. Mai auf weitere Tweets verzichte“. Sein vorletzter Tweet war an den Grünen-Kandidaten gerichtet, der auch stellvertretender Ortsbeauftragten des THW ist: „Ein Kommunalpolitiker und THWler, der solchen Zynismus verbreitet, sollte den Anstand aufbringen und zurücktreten.“
Der Ehrung vorangegangen war – so erinnerte in einem Leserbrief der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Birkenfeld, Dirk Backes, ein „einstimmiger Beschluss des Vorstands des Kreisfeuerwehrverbandes Birkenfeld, in dem alle Führungskräfte der Feuerwehren“ im Kreis vertreten sind“. Der Landrat habe „zusammen mit dem Kreistag mit den Entscheidungen, den Brand- und Katastrophenschutz auch in haushaltstechnisch schwierigen Zeiten zu fördern und auszubauen, ein deutliches Zeichen gesetzt, dass er für die öffentliche Daseinsvorsorge und Prävention eintritt“. In einem von allen Führungskräften unterzeichneten Brief an Petry heißt es, man sei enttäuscht, gerade vom stellvertretenden Ortsbeauftragten des THW eine solch „diffamierende Äußerung“ lesen zu müssen.
Der Grünen-Twitterer bleibt zwar dabei, dass der Zeitpunkt der Auszeichnung im Vorfeld der Landratswahl unglücklich sei. Zugleich entschudligt er sich in einem offenen Brief „ausdrücklich dafür, dass ich mich darauf eingelassen habe, diese Äußerung im Twitter-Forum zu veröffentlichen. Dies war ein Fehler, den ich bedauere.“ Er habe die besagten Tweets entfernt, „um den ,Brandherd’ zu löschen“. (kuk/law)
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