So früh schon wurde im Westerwald getöpfert
Höhr-Grenzhausen - Noch immer sind nicht alle Geheimnisse der Geschichte gelüftet. Ein sensationeller Fund in Höhr-Grenzhausen zeigt, dass es sich lohnt, weiter zu graben. Die entdeckte Töpferware liefert nämlich nunmehr einen schon lange gesuchten Nachweis.
Eine Abfallgrube voller Töpferschutt bringt endlich Gewissheit, dass bereits im Mittelalter in Höhr-Grenzhausen Tonwaren hergestellt worden sind. "Wir hatten schon länger die Vermutung, dass in dieser Zeit dort Keramik produziert wurde. Darauf deuteten Funde an anderen Orten hin. Nun gibt es erstmals einen Beweis dafür", beschreibt Dr. Dr. Axel von Berg, Leiter der Außenstelle Koblenz Landesarchäologie bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe, die spektakuläre Entdeckung in der Töpferstraße.
Auf dem Gelände stand bisher ein Gebäude aus den 1960er-Jahren, das viele Jahre als Kaufhaus diente. Da es jetzt nicht mehr ins Bild passte, wurde es im Rahmen der Stadtsanierung abgerissen, berichtet Stadtbürgermeister Michael Thiesen. Bei den Arbeiten kamen dann die für die Archäologie so bedeutenden Funde ans Tageslicht. Sie stammen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Ein weiterer Beleg für die intensive Herstellung von Keramik schon vor Jahrhunderten in Höhr-Grenzhausen sind neben den entsorgten Fehlbränden auch die Teile eines Brennofens.
In der Regel wurden hohe Krüge gefertigt. Dazu kamen noch Grapen. "Das sind Kochgefäße auf drei Füßen, die man als Kochgeschirr ins offene Feuer stellte", erklärt der Experte. Kugeltöpfe (Gefäße mit rundem Boden) und Krüge mit engem Hals gehören zudem zu den Fundstücken. Damit lässt sich die komplette Warenpalette gut erkennen.
Der Absatz der Produkte erfolgte bereits damals europaweit. Über das Rheinland und Süddeutschland bis nach Frankreich und in die Niederlande lief der Handel. Mit den jetzigen Ausgrabungen lässt sich die frühe Ware aus Höhr-Grenzhausen erstmals genau definieren. Damit können alle bisher an verschiedenen Stellen aufgetauchten Gefäße nun genau zugeordnet werden.
Die Fachleute haben die Fundstelle auf dem circa 1000 Quadratmeter großen Grundstück, für das die Stadt noch einen Investor sucht, inzwischen freigelegt. Alle Keramikreste sind geborgen. Dazu zählen neben den Scherben auch rund ein Dutzend vollständig erhaltener Gefäße.
Die Experten nehmen alle Details der Abfallgrube auf. Sie bilden die Basis für Zeichnungen, die Teil der umfangreichen Dokumentation sein wird. Auch die ausgegrabene Ware untersuchen und erfassen die Mitarbeiter bis in jede Einzelheit, um so weitere wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen.





















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