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Rot-Grün kündigt den Ring-Pächtern

Rheinland-Pfalz - Vollbremsung am Nürburgring: Die rot-grüne Landesregierung hat die Verträge mit den privaten Nürburgring-Betreibern gekündigt. Zuvor hatten beide Seiten wochenlang über die Höhe der Pacht gestritten. Offenbar konnte auch nach intensiven Verhandlungen kein für beide Seiten akzeptabler Kompromiss gefunden werden. Vor allem die 3,2 Millionen Euro schwere Spielbankabgabe blieb bis zuletzt strittig. Am Ende billigte das Kabinett einen Vorschlag von Innen- und Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD).

Es tut sich was am Ring: Das Land Rheinland-Pfalz will aus den Verträgen mit der Betreibergesellschaft Automotive aussteigen.

Anschließend sprach die nahezu landeseigene Nürburgring GmbH die Kündigungen aus. Die private Nürburgring Automotive GmbH (NAG) leitete sofort juristische Schritte ein. Am Nürburgring droht ein Rechtstreit, der nach Auskunft des Innenministers bis zu anderthalb Jahren währen könnte.

Lewentz, der den Schritt gemeinsam mit Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) und Finanzminister Carsten Kühl (SPD) in Mainz verkündete, strebt eine gütliche Einigung an. Die Landesregierung will einen Aufhebungsvertrag, den sie der NAG nach Auskunft des Finanzministers aber nicht vergolden möchte. Gelingt eine außergerichtliche Einigung, könnte die neue Saison bereits von der nahezu landeseigenen Ring GmbH betrieben werden. In diesem Fall würde die Landesregierung genau überprüfen, ob die geplanten 92 Stellenstreichungen überhaupt notwendig sind. Sie waren von den Pächtern mit dem Besuchermangel am Ring-Freizeitpark begründet worden.

Der Betriebsrat der NAG hat die Entscheidung der Landesregierung „mit deutlicher Erleichterung zur Kenntnis genommen“, erklärte Lewentz. Nun will Rot-Grün eine Neuausschreibung. Diese kann komplett, aber auch in Teilen erfolgen, hieß es. Wirtschaftsministerin Lemke (Grüne) erklärte: „Wir wollen diesem Fass ohne Boden dauerhaft einen Boden einziehen.“

Doch die privaten Pächter – Jörg Lindner und Kai Richter – wollen auf keinen Fall weichen und fühlen sich juristisch gut gerüstet. „Von Rückzug kann keine Rede sein“, erklärte ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung. In einem Brief an die Belegschaft in der Eifel steht wörtlich: „Wir arbeiten unglaublich gerne mit Ihnen engagiert und erfolgreich zusammen und sehen keinen Grund, das von uns mit Zukunftsperspektive aufgestellte Unternehmen aufzugeben.“ Die NAG betont, dass sie bis 2040 gültige Verträge besitzt.

Innenminister Lewentz deutete an, dass es vor 2015 wohl kein Formel-1-Rennen mehr geben wird. Nach Ansicht der Pächter, die mit Chef-Vermarkter Bernie Ecclestone verhandelt haben, würde dies das Aus des renommierten Rennens in der Eifel bedeuten. Sie gehen davon aus, dass die Formel 1 abwandert. Ecclestone bot dem Nürburgring angeblich bis 2023 insgesamt fünf Rennen an. Der Landeszuschuss wäre jeweils unter zehn Millionen Euro geblieben.

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