Ring: Land wäre Pächter am liebsten los
Rheinland-Pfalz - Die Pächter am Nürburgring haben derzeit keinen leichten Stand. Nach dem Mahnverfahren wegen ausstehenden Pachtzahlungen (zuständig: Innenministerium) sind sie jetzt auch noch mit einer scharfen Prüfung durch das Landeskartellamt (zuständig: Wirtschaftsministerium) konfrontiert.
Die offenbar konzertierte Aktion beider Ressorts ähnelt fast schon einer politischen Zangenbewegung. Inmitten der Greifbacken schwindet der Spielraum für die private Nürburgring Automotive GmbH, kurz: NAG. Da überrascht es wenig, dass Automotive-Geschäftsführer Jörg Lindner am gestrigen Montag die weiße Fahne hochzog. „Wir müssen jetzt auf einen Verständigungskurs mit den Eigentümern einbiegen, um den Nürburgring fit für die Zukunft zu machen“, erklärte er.
Doch vermutlich ist es für den Kurswechsel zu spät. Nach Informationen unserer Zeitung hat sich in der rot-grünen Landesregierung bis hinein in hohe Führungszirkel die Erkenntnis durchgesetzt, dass mit den derzeitigen Pächtern keine gedeihliche Zusammenarbeit möglich ist. „Das Vertrauen ist zerstört“, heißt es. Das aggressive Vorgehen der Betreiber gegen die Regierung hat die NAG-Führung offenbar den letzten Kredit gekostet. Rot-Grün ist augenscheinlich nicht mehr bereit, auch nur die kleinste Vertragsverletzung zu tolerieren. „Wenn sie im Geschäft bleiben wollen, müssen sie alle Absprachen punktgenau erfüllen“, heißt es. Wie ernst es der Landesregierung mit dieser Gangart ist, zeigt das jüngste Vorgehen.
Pachtvertrag: Politischer Fehler?
Im Umkehrschluss bedeutet dies: Der Pachtvertrag vom Frühjahr 2010 ist mittlerweile auch innerhalb der Landesregierung reichlich umstritten. Dem damaligen Verhandlungsführer Hendrik Hering, heute SPD-Fraktionschef, hält man immerhin noch zugute, dass er damals unter hohem politischen und wirtschaftlichen Druck eine Neuregelung finden musste. Bei der derzeit kritischen Bewertung des Kontrakts geht es ohnehin weniger um den Inhalt als um die langfristige Bindung an das Unternehmer-Duo Jörg Lindner und Kai Richter. Verschärft wird dieses Unbehagen durch die Tatsache, dass sich für das erste Halbjahr 2012 ein Untreue-Prozess gegen Richter abzeichnet. Die Negativschlagzeilen, die damit zwangsläufig verbunden sind, werden als schwere Hypothek gesehen – unabhängig von Schuld oder Unschuld.
Bei Rot-Grün wächst die Lust am Befreiungsschlag. Dabei wurde Lindner und Richter – bevor es zu dem jüngsten Eklat im Streit um die Pacht kam – durchaus unternehmerischer Ehrgeiz bescheinigt. Die Rennsport-Veranstaltungen laufen gut, die NAG-Spitze konnte große Autokonzerne für Events und Präsentationen in die Eifel ziehen, mit der „Carbon Card“ zeichnete sich ein neues Nutzungskonzept für den „Boulevard“ ab. Auftakt: Die exklusive Karte soll 150 Auto-Enthusiasten einen exklusiven Zugang zur legendären Nordschleife erschließen.




















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