Rennen auf Rollen hat viele Gewinner - Packender Ziel-Sprint der Inliner
Koblenz - Die Inline-Skater boten auf den 42,195 Kilometern zwischen Oberwesel und Koblenz einmal mehr Weltklassesport. Sabine Berg aus Jena – mit Streckenrekord – und der Kolumbianer Juan Nayib Tobon gewannen den Marathon auf Rollen, den in Leyla Wenisch-Nemati auch eine sehbehinderte Skaterin absolvierte.
Juan Nayib Tobon war schon mehr als eine halbe Stunde im Ziel. Der kolumbianische Sieger hätte theoretisch schon geduscht sein können, als Leyla Nemati über die Mainzer Straße rollte. Auch die schnellsten Frauen mit der jungen Sabine Berg an der Spitze waren schon fast 20 Minuten im Ziel. Und dennoch: Die sehbehinderte Leyla Nemati war eine der he-rausragenden Teilnehmerinnen des Inline-Skating-Rennens.
„Ich sehe nur noch weniger als zehn Prozent. Für mich ist alles verschwommen“, erzählt die 36-Jährige aus Nürnberg über das Leben im Halbdunkeln. 1989 kam die gebürtige Perserin nach Deutschland. Fünf Jahre später suchte sie eine heimtückische Netzhautkrankheit heim. „Gewöhnen kann man sich daran nicht“, sagt sie.
Aber man kann das Beste daraus machen. Auch deshalb fährt Nemati Alpin-Ski und Inline-Skates. „Im Schnee ist es einfacher, weil der Kontrast größer ist“, erklärt sie. Auf acht schmalen Rollen, ist sie auf ihren sogenannten „Piloten“ angewiesen. „Wir haken uns mit den Armen ein, aber ich ziehe sie nicht“, erklärt Josef Riefert aus Bergheim die Technik, wie man jemanden mit rund 25 Stundenkilometern durchs Mittelrheintal führt. Eigentlich wollte der 50-Jährige die Marathondistanz unter eineinhalb Stunden zurücklegen. Doch vor dem Start lernte er Nemati kennen und bot sich als „Pilot“ an. „Ich kann mich bei Josef nur bedanken. Es war einfach nur schön. Ich habe es genossen“, sagt Nemati – und strahlt überglücklich über ihre Zeit von 1:40:47 Stunden.
An der Spitze des Feldes waren Adleraugen oder das Hilfsmittel einer Zielfotokamera nötig, um die Sieger auszumachen. Erst im spektakulären Zielsprint setzten sich Sabine Berg und Juan Nayib Tobon durch. „Es war ein hartes Rennen, aber ein großer Erfolg für unser Team“, sagt Tobon. Seine Mannschaftskameraden Key Reyon (Neuseeland), Alexander Bastidas (Venezuela), der Deutsche Victor Wilking und als Edelhelfer Weltmeister Diego Rosero (ebenfalls Kolumbien) zogen für ihn den Spurt auf der Mainzer Straße an. „Wir haben während des gesamten Rennens versucht, möglichst viele Ausreißversuche zu starten“, erklärt Tobon die Taktik seines „Bont-Teams, das auf der Mainzer Straße trotzdem noch die frischesten Beine hatte. Mit seiner Siegerzeit von 1:00:55 Stunden pulverisierte Tobon den drei Jahre alten Streckenrekord des Dänen Christian Hartz (1:03:54 Stunden). Eine Zeit unter einer Stunde und der Weltrekord des Schweizers Roger Schneider (58:17 Minuten) rücken damit immer näher.



















Diesen Artikel versenden