Rätsel am Nürburgring: Wie hoch sind die Schulden?
Rheinland-Pfalz - Die Zahl ist schockierend. In dem Bericht zum „Insolvenzverfahren Nürburgring GmbH“ von Ring-Sachverwalter Jens Lieser, tauchen Gläubigerforderungen in Höhe von 1,871 Milliarden Euro auf. Der Bericht sorgt am Nürburgring für Aufregung.
Ist die frühere, nahezu landeseigene Besitzgesellschaft weitaus höher verschuldet als bisher bekannt? Trägt der Nürburgring eine milliardenschwere Hypothek auf seinen Schultern? In diesem Fall könnte auch dem rheinland-pfälzischen Landeshaushalt Gefahr drohen – in einer beängstigenden Dimension.
Doch ganz so dramatisch liegt der Fall nicht, wie ein genauerer Blick in das umfangreiche Zahlenwerk zeigt. Denn im Kern geht es um die bekannten 330 Millionen Euro, mit der die Nürburgring GmbH in der Kreide steht. In Wahrheit sind es sogar nur 325 Millionen Euro, die in dem Insolvenzbericht veranschlagt werden. Dabei handelt es sich um den berühmten ISB-Kredit. Mit diesem hatte die landeseigene Investitions- und Strukturbank den Nürburgring gestützt. Die insolventen Nürburgring GmbH kann den Kredit seit Sommer 2012 nicht mehr bedienen. Das Land musste einspringen.
Komplexe Rechnung
Da nichts, was mit dem Eifelkurs zu tun hat, einfach ist, folgt auch hier eine etwas komplexere Rechnung. Zu den 325 Millionen Euro kommt noch eine satte Kreditvorfälligkeitsentschädigung, die auch jeder Häuslebauer zahlen muss, wenn er vorzeitig aus einem Kredit aussteigt. Dazu addiert werden Kosten für entgangene Zinsgeschäfte und weitere finanzielle Belastungen, die daraus resultieren, dass eine Landesgesellschaft einen dreistelligen Millionenkredit nicht mehr bedienen kann. Insgesamt wächst die Hauptforderung auf diese Weise auf 437 Millionen Euro an. Doch damit ist die Milliardensumme noch nicht erklärt.
Die beiden Ring-Sanierer Jens Lieser und Thomas Schmidt haben bereits vor geraumer Zeit darauf hingewiesen, dass die horrenden Gläubigerforderungen keiner realen Belastung entsprechen. Das hat folgenden Grund: Denn nicht nur die ISB hat Ansprüche, sondern auch die Rheinland-pfälzische Gesellschaft für Immobilien und Projektmanagement mbH (kurz: RIM). Beide sind in Gesamtgläubigerschaft, werden aber aus verfahrenstechnischen Gründen jeweils einzeln aufgeführt. Das heißt nicht, dass beide einen realen Anspruch auf je 437 Millionen Euro haben. Diese Summe beschreibt lediglich das, was ISB und RIM maximal gemeinsam erlösen können.
Warum im Insolvenzbericht von 1,87 Milliarden die Rede ist, erklärt das letzte Detail. Denn ISB und RIM sind der Meinung, dass ihre Forderungen im normalen Rang bedient werden müssen, also gleichrangig mit allen anderen Gläubigern. Die Sanierer indes sind der Ansicht, dass sie nur nachrangig zum Zuge kommen, also nach allen anderen, die beim Insolvenzverfahren noch Geld verlangen. Damit ihnen aber auf gar keinen Fall Geld entgeht, haben RIM und ISB ihre Forderungen in beiden Rängen angemeldet – also jeweils doppelt. Folglich ist eine Summe, die nur einmal ausgezahlt werden kann, vierfach aufgeführt. Multipliziert man die 437 Millionen Euro mal vier, kommt man bereits auf 1,748 Milliarden Euro.




















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