Pachtvertrag: Landesregierung kann sich schon jetzt von Nürburgring-Betreibern trennen
Rheinland-Pfalz - Beim erbitterten Poker um die Nürburgring-Pacht hat die rot-grüne Landesregierung durchaus ein starkes Blatt in der Hand: Nach dem unserer Zeitung vorliegenden Pachtvertrag besitzt sie ein einseitiges, fristloses Kündigungsrecht.
Wenn die Nürburgring Automotive GmbH (NAG) die Mindestpacht (plus eine Million Euro) nicht bringt, kann das Land den Kontrakt auflösen. Der Pachtvertrag sagt nämlich eindeutig: Die Nürburgring GmbH kann den Vertrag fristlos kündigen, wenn der Pächter NAG mit der Zahlung von mehr als zwei monatlichen Raten im Verzug ist. Die jährliche Mindestpacht beträgt in diesem Geschäftsjahr bereits fünf Millionen Euro, im nächsten sind es 10, im übernächsten 15 Millionen.
Ring-Kenner bezweifeln, dass Rennstrecke und Freizeitpark solche Summen abwerfen. Auch die NAG hält die Pacht für zu hoch – und drängt auf einen kräftigen Nachlass. Ansonsten droht sie mit Arbeitsplatzabbau und Teilstilllegung (wir berichteten).
Die rot-grüne Landesregierung verlangt aussagekräftige Zahlen von der NAG, um deren Forderungen zu überprüfen. Grundsätzlich lehnt Rot-Grün aber Nachverhandeln ab.
Zwischen beiden Seiten tobt ein millionenschwerer Streit um gegenseitige Forderungen. Sollte es keine Verständigung zwischen Land und Pächtern geben, kann Rot-Grün auf eine neue Ausschreibung zusteuern. Damit wäre vermutlich auch der Streit um möglicherweise illegale Beihilfen vom Tisch, der derzeit die EU-Wettbewerbshüter beschäftigt. Im Falle des Falles ist die Landesregierung sogar in der Position, die NAG komplett zu übernehmen, sollte diese vertragsbrüchig werden. Das ist nach Informationen unserer Zeitung in einer der Nebenabreden zum Pachtvertrag geregelt.
Damit Sie sich selbst ein Bild von der Vertragslage machen können, haben wir den entscheidenden Kontrakt online gestellt. Die zentralen Passagen sind markiert.
Nach Informationen unserer Zeitung laufen im Hintergrund schon Verhandlungen, wie es nach der Beendigung des Pachtvertrages zwischen Betreibergesellschaft und Nürburgring GmbH am Ring weitergehen könnte. Eine entscheidende Rolle käme dabei wohl dem ADAC zu, der als Betreiber der Rennstrecken im Gespräch ist. ADAC-Präsident Peter Meyer soll bereits Sondierungsgespräche geführt haben. Für Gastronomiebetriebe im Eifeldorf „Grüne Hölle“, Hotels und das Feriendorf würden Pächter oder Käufer gesucht. Der Sprecher des ADAC Mittelrhein, Reinhard Moll, dementierte indes, dass der Verband als potenzieller Betreiber der Rennstrecke infrage kommt.





















Diesen Artikel versenden