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Nürburgring veröffentlichte jahrelang zu hohe Zuschauerzahlen

Ein unserer Zeitung exklusiv vorliegendes Dokument belegt: Am Nürburgring wurde viele Jahren lang mit geschönten Zuschauerzahlen gearbeitet. Nur ein Bruchteil der Gäste hat tatsächlich bezahlt. Beim Truck Grand Prix wurden beispielsweise 2009 rund 177.000 Besucher gezählt, ein Ticket hatten allerdings nur 37.000 gelöst.

Beim legendären 24-Stunden-Rennen lag die veröffentlichte Zuschauerzahl 2004 bei 220.000 Gästen, eine Karte kauften aber nur 52.456 Motorsportfans. Die Differenz beider Werte beträgt zum Teil bis zu 150.000 Zuschauer.

Ein Nürburgring-Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young vom September 2010, das unserer Zeitung ebenfalls vorliegt, belegt zudem, dass erhebliche Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Freizeitparks herrschten. Die Skepsis war berechtigt: Denn ein Realitätsabgleich zeigt, dass selbst die ungünstigsten Szenarien noch unterboten wurden. Juristen schließen daher nicht aus, dass die jetzigen privaten Nürburgringbetreiber eine niedrigere Pacht sogar einklagen können. Der rot-grünen Landesregierung dürften stürmische Zeiten bevorstehen.

dpa

Dass die Zahlen unrealistisch erscheinen, war aufmerksamen Beobachtern schon lange klar. Bereits Ende 2007 hatte der Motorjournalist Wilhelm Hahne konkrete Schätzungen angestellt, wie sehr die Zahlen geschönt sind und die sich nun bestätigen. In der breiten Öffentlichkeit hatten sie aber keine Resonanz gefunden. Mike Frison, Betreiber des größten Nürburgring-Forums, hatte 2009 gefordert, die Besucherzahlen im Detail in der Öffentlichkeit diskutieren zu können. "Dazu müssten sich die Verantwortlichen nur dazu durchringen, die sowieso von Steuergeldern bezahlten Studien zu veröffentlichen."

Update: Am Nachmittag hat das Innenministerium zu den Exklusivveröffentlichungen von Rhein-Zeitung.de im Detail Stellung genommen: "Vor Abschluss der Verträge haben die Herren Jörg Lindner und Kai Richter mehrfach Unternehmensdaten und auch Besucherzahlen von der Nürburgring GmbH erhalten", teilte ein Sprecher mit. "Zudem gab es einen intensiven Austausch mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Gerade auch mit Blick darauf, dass es keine Vergleichszahlen gab, und um etwaigen Unwägbarkeiten Rechnung zu tragen, haben die Parteien im Betriebspachtvertrag die sogenannte ,Einschwungphase' vereinbart. Aus diesen Gründen überraschen die Äußerungen seitens Automotive GmbH, zumal vor allem Herr Richter schon bei Vertragsschluss beste Kenntnisse von den Verhältnissen am Ring haben musste."

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Leserkommentare (7)

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von alterschwede54 vom 09.11 - 14:41 Uhr
Nicht nur bei Love-Paraden wird mit Besucherzahlen gelogen, das die Balken sich biegen .
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von Rockaxe vom 10.11 - 08:40 Uhr
erinnert irgendwie an die Sache, in wie weit Griechenland damals Zahlen veröffentlichte um in die Eurozone aufgenommen zu werden. Leider macht man ...
3
von Schwellkopp vom 10.11 - 08:45 Uhr
1977 war ich das erste und letzte mal am Nürburgring. Es hat sich nicht gelohnt. Und warum sollte ich heute dafür ? 40,00 Eintrittsgeld und ...

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