Neuer Dozent bei der Kinder-Uni: Christian Wulff
Mainz - Ist ein Bundespräsident eigentlich traurig, wenn andere gegen ihn sind? Das wollte ein Zehnjähriger am Samstag im Großen Saal des Gebäudes der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften von Christian Wulff wissen.
„Und wenn er mit Eiern beworfen wird?“, konkretisierte der Gefragte mit Blick auf einen Vorfall in Wiesbaden vor wenigen Tagen. Solchen und vielen anderen Fragen von 1300 Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren stellte sich der Bundespräsident eine knappe Stunde lang bei der Kinder-Uni der Johannes-Gutenberg-Universität. „Politik (er)leben“, lautete das Motto des Vormittags.
Seine Kinder seien schon traurig, wenn „der Papa mit Eiern beworfen wird“, wich der 51-Jährige der Frage etwas aus. Und ergänzte, dass es grundsätzlich gut sei, wenn jeder seine Meinung deutlich machen könne. Auch wenn das Werfen von Eiern, vielleicht nicht ganz die richtige Art sei. „Willkommen in der Zukunft“, hatte kurz vorher Uni-Präsident Georg Krausch seinen Gast begrüßt und wollte damit allerdings nicht prophezeien, dass Eierwürfe ab sofort an der Tagesordnung seien. Vielmehr meinte er die jungen Zuhörer, denn die sind für Krausch die Zukunft des Landes.
Und dieser Zukunft stellte auch Wulff ein paar Fragen: Was macht ein Bundespräsident eigentlich so den ganzen Tag?, wollte er, der es eigentlich wissen sollte, von den Kindern erfahren. „Auf Deutschland aufpassen“, antwortete flugs ein achtjähriges Mädchen. „Das ist auf jeden Fall richtig“, beschied Wulff. Gleiches gelte für die Beobachtung eines Elfjährigen, dass er Gesetze unterschreibe. Dies gehöre ebenfalls zu den Aufgaben des höchsten Verfassungsorgans, so der studierte Jurist über seine Amtshandlungen.
In gewisser Weise müsse man sich den Staat so ähnlich wie einen menschlichen Körper mit seinen verschiedenen Organen vorstellen. Und das Parlament sei das „Herz“ des Staatskörpers, erläuterte Wulff. Welchem Organ der Präsident entspricht, ließ er allerdings im Dunklen, dafür betonte er: „Ich bin nicht eine Art König von Deutschland.“ Damit ein Staat funktioniere, dürfe nicht einer allein entscheiden, sondern müssten alle Organe „gut zusammenarbeiten“.
Dennoch würden Politiker einiges tun, was nicht allen gefällt. „Politiker müssen sich manchmal unbeliebt machen“, betonte Wulff. Das erläuterte er am Beispiel der Sommerferien. Auch wenn die meisten Kinder sich längere wünschen, wird es dazu wohl nicht kommen, schließlich müsse auch gelernt werden. Für diese Einsicht bekam Wulff dann auch ein paar offensichtlich ehrlich gemeinte Buhrufe von seinen jungen Zuhörern.





















Diesen Artikel versenden