Nazi-Hetze im Internet: Elf Angeklagte räumen Vorwürfe ein
Koblenz - Geständnisse im Prozess um Nazi-Hetze im Internet: Elf Angeklagte haben vor dem Landgericht Koblenz eingeräumt, für das rechtsradikale "Widerstand-Radio" als Moderator gearbeitet zu haben. Die Angeklagte (32) aus dem Kreis Mayen-Koblenz gab zu: Sie hat Mitte 2010 "Sieg Heil"-Grüße im Netz verbreitet.
Sie sendete Lieder, die Adolf Hitler huldigen und zu Gewalt gegen Juden, Ausländer und Linke aufrufen. Sie machte mit ihrem Ehemann gemeinsame Sache. Beide waren NPD-Mitglied, beide Moderatoren. Im Prozess behauptete sie: "Heute ist für mich gar nicht mehr nachvollziehbar, warum ich das alles getan habe."
Vor Gericht stehen zwölf Männer und Frauen aus Rheinland-Pfalz und sechs weiteren Bundesländern. Tatvorwurf: Volksverhetzung sowie Bildung oder Unterstützung einer kriminellen Vereinigung. Nur eine Angeklagte (28), deren Ehemann einer der Senderchefs war, bestreitet alle Vorwürfe. Ihr Anwalt, ein Ex-NPD-Funktionär, will sich jetzt noch mal mit ihr beraten.
Eine Gründerin (28) des Radios erklärte: "Der Sender sollte Nachwuchs für die rechte Szene rekrutieren. Die Parolen und Lieder wurden immer radikaler." Die fünffache Mutter bereut ihre Moderatoraktivitäten. Ganz anders eine 38-Jährige aus dem Raum Münster. Sie beschrieb, wie das Radio gegen Ausländer hetzte, gegen Farbige und Homosexuelle. Aber: kein Wort von Reue. Sie sagte nur: "Ich habe so oft gesendet wie möglich."
Es ist bereits der zweite Prozess um das "Widerstand-Radio". Im April verurteilte das Landgericht Koblenz 18 Moderatoren. Neun erhielten Bewährungsstrafen, neun Haftstrafen bis zu drei Jahren und drei Monaten. Der Mann der 32-Jährigen aus dem Kreis Mayen-Koblenz wurde zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Er hetzte nicht nur im Internet. Er schändete 2010 auch den jüdischen Friedhof in Mayen.
Das Nazi-Radio sendete von Mitte 2009 bis November 2010 rund um die Uhr. Es war über eine Internetseite erreichbar, dessen Server in den USA stand. Bis zu 100 Personen im In- und Ausland hörten das Programm gleichzeitig. Die Senderseite hatte auch eine "nationale Partnerbörse" und eine Box, über die sich die Hörer Lieder wünschen konnten. Der Prozess geht am 22. Dezember weiter.
Von unserem Redakteur Hartmut Wagner




















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