Nabu kritisiert: Geocacher setzen dem Wald zu
Koblenz/Kreis MYK - Die elektronische Schnitzeljagd Geocaching setzt dem Wald und seinen Bewohnern in Koblenz und dem Kreis Mayen-Koblenz stark zu.
Das erklärt der Naturschutzbund (Nabu) Koblenz. Bewaffnet mit einem GPS-Gerät, streifen die sogenannten Geocacher bei Tag und Nacht durch den Wald, beschädigen dabei Bäume und stören Tiere. Sie suchen nach einem sogenannten Cache, einem Versteck, das unter anderem ein Logbuch enthält, in das sie sich eintragen können. Einige Verstecke haben rund 800 eingetragene Besucher auf der Internetseite www.geocaching.com, manchmal gibt es sie erst seit wenigen Wochen.
Die Caches befinden sich überall: Auf dem Waldboden, in Baumkronen, an steilen Felsklippen oder am Grund eines Sees. Und darin liegt auch das Problem. Denn um zu den Verstecken zu gelangen, fahren viele Schatzsucher mit dem Auto durch den Wald und zerstören so mit der Zeit die Wege. Sie bringen Kletterseile an Bäumen an, um an die Verstecke in den Kronen zu gelangen und beschädigen dabei Rinde und Äste. Wenn sie Felswände erklimmen, um ihren neuesten Schatz zu bergen, stören sie Wanderfalken und Uhus, die dort nisten. Die Tiere sind sehr empfindlich und hören im schlimmsten Fall sogar auf zu brüten.
In den Zwischenräumen der Felsen leben außerdem Mauereidechsen. Sie sind wechselwarme Tiere, die sich zum Sonnen auf den Felsen legen oder dort Insekten fressen. Die Mauereidechsen werden dabei von den Geocachern gestört und ziehen sich in ihre Höhle zurück. "Auf Dauer ist das für sie eine erhebliche Beeinträchtigung, weil sie zu wenig Sonne abbekommen und nicht genügend Futter fangen können", erklärt Leo Heuser, Leiter des Nabu Koblenz.
In Koblenz und dem Kreis-Mayen-Koblenz gibt es der Internetseite Geocaching.com zufolge rund 17 000 Caches. Ob diese allerdings noch alle aktiv sind, ist unklar. Am dichtesten ist die Konzentration in der Region um Alken und Niederfell. Dort liegt das sogenannte "Field of Fame" (deutsch: Feld des Ruhmes), das Geocacher aus ganz Europa anzieht. Auf engstem Raum gibt es dort mehr als 250 Verstecke, die die Schatzsucher finden müssen. Einige Caches haben bereits rund 800 eingetragene Besucher auf der Internetseite Geocaching.com.
"Die Geocacher schaden der Natur nicht absichtlich. Sie wissen nur nicht, worauf sie achten müssen", ist sich Heuser sicher. Nur was der Mensch kenne, könne er auch schützen. Erst kürzlich traf Leo Heuser eine Frau im Wald, die auf der Suche nach einem Cache rund 50 Quadratmeter Waldboden zertrampelte. "Dort standen seltene Pflanzen, vielleicht hat sie sogar Eier von Bodenbrütern zerstört. Ich glaube nicht, dass ihr das bewusst war."




















Diesen Artikel versenden