Mordkomplott im Chat: Angeklagte kommt in Fußfesseln zum Ortstermin
Bad Kreuznach/Ruschberg - Mit mehreren Hammerschlägen und einem Messerstich in den Rücken soll eine junge Frau gemeinsam mit ihrem Liebhaber versucht haben, ihren Ehemann zu töten. Die Angeklagte bestreitet bislang die Tatvorwürfe, einen Mordplan ausgeklügelt zu haben. Ein Ortstermin soll den Tathergang am Ort des Verbrechens klären.
Der Ehemann, der mit mehreren Hammerschlägen und einem Messerstich in den Rücken schwer verletzt wurde, glaubt seiner Frau.
Was genau in jener Nacht zum 2. Februar vergangenen Jahres in Ruschberg geschehen ist, sollte in dem Indizienprozess bei einem Verhandlungstermin am Tatort genauer beleuchtet werden. Jedes Detail, jede Zeugenaussage ist besonders wertvoll, sagt ein Beobachter. In dem Prozess wegen versuchten Mordes war die Schwurgerichtskammer des Landgerichts eigens aus Bad Kreuznach angereist, um das Haus in Augenschein zu nehmen und die verschiedenen Varianten des Tathergangs nachzuvollziehen. Im Haus wurden vier Zeugen vernommen. Darunter die Nachbarin, die direkt nach dem Angriff mit Hammer und Messer die Angeklagte und ihr Kind bei sich zu Hause aufgenommen hatte. Die Öffentlichkeit war ausgeschlossen. Der Ehemann der angeklagten 29-Jährigen, die die wenigen Schritte vom Polizeisicherheitsbus zur Eingangstür ihrer Wohnung in Fußfesseln zurücklegen musste, hat von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und nur das Gericht, die Verteidiger und die Zeugen eingelassen. Die Vertreter der Öffentlichkeit bleiben zurück im eisigen Wind. „Es ist wegen der zwischenmenschlichen Beziehungen und der psychologischen Situation ein außergewöhnlicher Prozess für alle Beteiligten“, sagt Martin Thomas, der Vertreter des Nebenklägers.
In der Straße ist es ruhig. Dass hier etwas Außergewöhnliches vorgeht, sieht man nur an den vielen Autos und dem kleinen Reisebus aus Bad Kreuznach. Bodo Siegel aus Roxheim hat das Gericht gefahren. Mit Ausnahme der Staatsanwältin. Sie ist im eigenen Pkw gekommen. So wird auch fahrtechnisch die Trennung zwischen Anklage und Kammer gewahrt. Der Taxifahrer war noch nie in Ruschberg, obwohl er Baumholder kennt. Oft schon hat er US-Soldaten nach dem Besuch des Kreuznacher Jahrmarkts zurück in die Garnisonsstadt gebracht. Auf ein bis zwei Stunden Wartezeit hat sich der Taxiunternehmer eingestellt. Zweieinhalb Stunden sollen es werden.
Er raucht erst mal eine. Gegen die Kälte und die Langeweile. „Was geht hier eigentlich vor?“, will er wissen. Vorsichtig treten Nachbarn aus der Haustür. Reden wollen sie nicht über die Vorkommnisse. Die Familie mit dem zuckerkranken Kind kennen sie quasi kaum. Vor etwa drei Jahren ist die Familie zugezogen.




















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