"Vierjährige wollte Sex": 69-Jähriger streitet Schuld ab
Rhein-Lahn-Kreis. Er soll ein vierjähriges Mädchen vor 24 Jahren mehrfach sexuell missbraucht haben. Jetzt steht der 69-Jährige aus dem Rhein-Lahn-Kreis vor dem Landgericht Koblenz. Der Mann, der wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft ist, bestritt im Prozess alle Vorwürfe.
Er wollte seine Unschuld beweisen – und behauptete ungeheuerliche Dinge über das mutmaßliche Opfer: „Mir fiel auf, dass das Mädchen schon mit vier Jahren sexuell interessiert war." Als er mit der Kleinen in der Dusche oder auf der Toilette war, habe sie gern von ihm berührt werden wollen.
Die Anklageschrift listet schwere Vorwürfe gegen den Mann auf (wir berichteten): Er soll das Mädchen von 1986 bis 1993 neunmal missbraucht haben. Beim ersten Mal war das Opfer vier Jahre alt, beim letzten elf Jahre. Der 69-Jährige war ein Arbeitskollege des Vaters des mutmaßlichen Opfers und ein Freund dessen Familie.
Zu den Übergriffen soll es zu Hause beim Angeklagten und der Familie des Opfers gekommen sein. Im Schlafzimmer, im Wohnzimmer, im Bad und im Auto. Der Mann soll dem Mädchen eingeschärft haben: „Sag niemanden etwas. Das ist unser Geheimnis."
Als der Staatsanwalt im Prozess hörte, was der Angeklagte über den Sexualtrieb des Mädchens behauptete, wurde er zornig: „Das ist eine Beleidigung des Opfers! Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ein Kind solche Fantasien hat!"
Das Mädchen von damals ist heute eine 27-jährige Frau. Sie wohnt in den USA und kam extra nach Deutschland, um im Prozess auszusagen. Im Gerichtssaal saß sie dem Angeklagten direkt gegenüber. Sie hatte sich in den Wochen zuvor von Experten beraten lassen, um nicht in Tränen auszubrechen. Den Großteil der Tatvorwürfe bestätigte sie, an manche erinnerte sie sich nicht mehr. Sie sprach leise, etwas unsicher, aber sie verlor nie die Fassung.
Nur einmal schossen ihr die Tränen in die Augen: Als der Angeklagte behauptete, sie habe mit sieben Jahren einen 18-jährigen Sexpartner gehabt, zischte sie ihn an: „Das stimmt nicht! Hast Du noch alle Tassen im Schrank?!"
Warum kommt es erst jetzt zum Prozess? Weil der 69-Jährige erst 2008 angezeigt wurde. Und zwar von seiner eigenen Ehefrau: Sie hatte ihn Jahre zuvor mit dem Mädchen im Bad gesehen und Verdacht geschöpft. Das Opfer selbst wäre nach eigener Aussage wohl nie zur Polizei gegangen. Im Prozess sagte die Frau: „Ich will mich mit all dem nicht mehr auseinandersetzen."
Vor Gericht räumte der Angeklagte ein, dass er vor einigen Jahrzehnten wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis saß. Aber er sei unschuldig gewesen. Trotzdem habe er in den 1970er-Jahren zwei Sexualtherapien gemacht. Grund: Er fühlte sich stark zu Kindern hingezogen.




















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