Mediziner zeichnen Drama nach: Anna kämpfte um ihr Leben
Bad Honnef/Bonn - Die letzten Monate im Leben der kleinen Anna waren grausam, die letzten Tage ein Horror und die letzten Stunden der reinste Albtraum: So stellt sich die Lage im neu aufgerollten Prozess gegen die beiden Pflegeeltern aus Bad Honnef nunmehr dar.
Als zunächst die Notärztin, dann der Arzt der Kinderklinik und schließlich der Gerichtsmediziner aussagten, wurde noch einmal allen Beteiligten klar, was da vor mittlerweile fast einem Jahr in der Wohnung an der Bad Honnefer Austraße geschehen sein muss.
Mindestens drei Minuten lang kämpfte Anna in der Badewanne um ihr Leben
Nach der Darstellung von Gerichtsmediziner Dr. Christian Schyma gibt es für den Tod der Neunjährigen keine andere Erklärung: Das Mädchen muss mindestens drei Minuten gewaltsam in der Badewanne unter Wasser gedrückt worden sein, bis es erst das Bewusstsein verlor und dann klinisch tot war. Seitdem dies klar ist, droht den Pflegeeltern eine Verurteilung auch wegen Mordes. Zuvor war die Staatsanwaltschaft von einer Körperverletzung mit Todesfolge ausgegangen. Unklar ist, ob die Pflegeeltern tatsächlich Wiederbelebungsversuche angestellt haben, wie es der Angeklagte gestern ausführte. Nach der Einschätzung des Sachverständigen gibt es an dieser Aussagen zumindest Zweifel.
Gerichtsmedizinerin: Anna war ein "geschlagenes Kind"
Nicht nur die grausamen letzten Minuten in dem jungen Leben machten etliche Prozessbeobachter sprachlos. Auch die zahllosen blauen Flecken und Narben, die den Ärzten sofort auffielen, schockierten. Laut Dr. Schyma können diese nicht von Sturzverletzungen stammen. Sie zeigten vielmehr, dass es sich bei Anna um ein "geschlagenes Kind" gehandelt habe. Mindestens 20 Narben hatte er bei der Leichenschau festgestellt: "Sie spiegeln eine Vielzahl von Traktierungen wider", sagte der Rechtsmediziner.
Mit spitzen Gegenständen gestochen und blau geprügelt
Mit spitzen Gegenständen müsse das Kind immer wieder gestochen worden sein. Und die zahlreichen blauen Flecken, die über den ganzen Körper verteilt festzustellen waren, stammen laut Christian Schyma aus den letzten Tagen vor dem Tod.
Bekanntlich war Anna mit ihren Pflegeeltern kurz zuvor aus dem Sommerurlaub zurückgekehrt. Was sich im einzelnen nach der Rückkehr in Bad Honnef abgespielt hat, ist immer noch nicht klar.
Rechtsmediziner glaubt nicht an Geschichte vom Balkonsturz
Die Pflegeeltern hatten in ihren Aussagen die Verletzungen Annas mit einem Sturz vom Balkon zu erklären versucht. Dies jedoch kann nach den Ausführungen des Rechtsmediziners nur eine erfundene Geschichte sein.
Von unserem Redakteur Marcelo Peerenboom





















Diesen Artikel versenden