Massive Vorwürfe treffen Nassauer Munitionsfabrik
Nassau - Ein Artikel des „Spiegel" sorgt an der Lahn für Unruhe: Einem der wichtigsten Arbeitgeber werden unsaubere Methoden vorgeworfen. Die MEN in Nassau stellt Munition für Kleinkaliber her. Doch Recherchen unserer Zeitung ergeben: Viele Vorwürfe lassen sich nicht erhärten, aber viele Fragen bleiben.
Von unserem Redakteur Peter Lausmann
Deutschland ist nach den USA und Russland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Waffen und Munition sind ein Wirtschaftsfaktor – doch zugleich ist das Misstrauen gegenüber kaum einer anderen Branche so groß, sind so viele Kontrollen und Beschränkungen gesetzlich verankert.
Immer wieder sehen sich Firmen wie Heckler&Koch mit Vorwürfen konfrontiert, bei internationalen Geschäften gegen das Gesetz zu verstoßen. Auch bei der Munitionsfabrik Metallwerk Elisenhütte Nassau (MEN) stehen seit einem Artikel im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel" ähnliche Zweifel im Raum.
Danach erklärten zwei MEN-Führungskräfte, deren Namen geheim blieben, dass man in Nassau systematisch versuche, „das deutsche Kriegswaffenkontrollgesetz zu unterlaufen".
Unerlaubter Technologietransfer steht im Raum
In diesem Fall gehe es aber nicht um den direkten Verkauf von Munition in Krisenregionen oder zweifelhafte Regime, sondern um unerlaubten Technologietransfer an die Muttergesellschaft. 2007 war die wirtschaftlich angeschlagen Fabrik an den brasilianischen Rüstungskonzern CBC verkauft worden. Nun würden die Brasilianer das Wissen aus Nassau unauffällig abschöpfen, lautet der Vorwurf.
Manager wechseln in Serie
Der Artikel sorgt für zusätzliche Unruhe im Lahntal, wo die MEN an einer Flussbiegung etwas abseits der Stadt liegt. In der Führungsspitze des Unternehmens herrscht seit einigen Jahren eine starke Fluktuation – Geschäftsführer Martin Dettmer stieß im September 2009 dazu.
„Seitdem besetzt er alle wichtigen Positionen mit seinen eigenen Leuten", sagt ein Insider gegenüber unserer Zeitung. „Im internationalen Geschäft brauche ich Mitarbeiter, die auch alle nötigen Qualifikationen dafür haben", kontert Dettmer.
Arbeitsplatzgarantie mit Einkommenseinbußen erkauft
Das ehemalige Staatsunternehmen, das nach der Privatisierung vor allem unter mangelnden Investitionen vonseiten des Mutterkonzerns MAN Ferrostaal fast zerbrochen wäre, ist im Umbruch: Eine Arbeitsplatzgarantie bis 2014 und Ausbildungsplätze hat sich die Belegschaft mit dem „Pforzheimer Modell" bei den Tarifverhandlungen erkauft. Folgen sind geringerer Lohn bei mehr Arbeit, Urlaubs- und Weihnachtsgeld können gekürzt werden.




















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