Mainzer Professor will das Restrisiko im Blut senken
Rheinland-Pfalz - Blut ist ein kostbares Gut - vor allem für Patienten, die darauf dringend angewiesen sind. Deshalb werben Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz jedes Jahr für Blutspenden.
Doch Blut ist auch ein sensibles Gut, das höchsten Sicherheitsstandards unterliegt. Seit geraumer Zeit firmiert Blut daher als Arznei. Grund dafür waren nicht zuletzt die Erfahrungen aus den 80er-Jahren, als sich das HI-Virus über Blutkonserven verbreitete. Folge war unter anderem, dass bis heute Schwule kein Blut spenden dürfen, weil sie ein statistisch höheres Risiko haben, an HIV zu erkranken.
Doch offenbar wird dieses Sicherheitsdenken zunehmend aufgeweicht.
Nicht von Schwulen, die Blut spenden wollen, sondern von den Krankenkassen, die den Kostendruck besonders auf kleinere Krankenhäuser erhöhen. Immer häufiger werden diese Kliniken dazu gezwungen, Patienten billigere und unsichere Blutkonserven zu verabreichen, warnt Professor Walter Hitzler, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Ärzte staatlich und kommunaler Bluttransfusionsdienste. Der Chef der Blutbank an der Mainzer Uniklinik meint damit Thrombozyten oder Blutplättchen, die bundesweit jährlich mehrere Hunderttausend Patienten erhalten. Zum Einsatz kommen die meist nur vier bis fünf Tage haltbaren Konserven bei fast jedem Unfallpatienten - ob nach Herzinfarkt oder Motorradunfall. Vor allem aber profitieren Leukämie- und Transplantationspatienten von den blutungstillenden Substanzen.
Die Blutplättchen gibt es laut Hitzler in zwei verschiedenen Varianten: Die sogenannten Pool-Thrombozyten-Konzentrate stammen aus dem Blut von vier bis fünf Spendern. Für sie bekommen die Kliniken etwa 250 Euro - auch weil sie als Nebenprodukte von Blutspendeaktionen leichter herzustellen sind. Doch diese Variante ist laut Hitzler deutlich gefährlicher für den Patienten. Denn das Risiko, dass sich ein Virus über diesen Blutplättchen-Cocktail verbreitet, sei vier- bis fünfmal so groß wie bei der anderen Variante, den hochwertigeren Apherese-Thrombozyten-Konzentraten. Die stammen nämlich nur von einem Spender, der den Kliniken meist seit Jahren bekannt ist. Für sie würden die Kliniken 480 Euro von den Kassen bekommen.
Doch zunehmend bleiben die Kliniken auf den Kosten für die teureren Produkte sitzen, weil der Medizinische Dienst der Kassen den Einsatz der billigeren Variante für ausreichend hält, sagt Hitzler. Um den Ärger mit den Kassen und finanzielle Ausfälle zu vermeiden, griffen immer mehr kleine Kliniken zu den billigeren Produkten. Die Uniklinik Mainz schockt dies nicht: Sie setzt weiter zu 100 Prozent auf sichere Apherese-Konzentrate.




















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