Koblenzer Gericht: El-Kaida-Terrorist muss sechs Jahre in Haft
Koblenz - Der Koblenzer El-Kaida-Prozess war ein Mammutverfahren: Seit September 2009 verhandelten die Richter an 61 Tagen, vernahmen 119 Zeugen, verlasen Tausende Dokumente. Jetzt verurteilten sie beide Angeklagte.
Von unserem Redakteur Hartmut Wagner
Harte Strafen im Koblenzer El-Kaida-Prozess: Der Staatsschutzsenat am Oberlandesgericht Koblenz hat den Türken Ömer Ö. (32) zu sechs Jahren Haft verurteilt. Grund: Er war Mitglied in Osama bin Ladens Terrornetzwerk El Kaida. Er unterstützte es von 2004 bis 2008 mit Warenlieferungen und dem Anwerben eines Terroristen. Der zweite Angeklagte Sermet I. (32) wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er ebenfalls El Kaida unterstützt hatte. Ö. legte vor Gericht ein Teilgeständnis ab. I. bestritt alle Vorwürfe.
Die Koblenzer Innenstadt am Montagmorgen: Es herrscht Ausnahmezustand, wie an jedem der 61 Verhandlungstage im El-Kaida-Prozess. Mit Blaulicht und Sirene chauffieren Justiz-Transporter die Angeklagten über die Straßen. Um 10 Uhr werden die Männer in den Gerichtssaal geführt, gefesselt an Händen und Füßen. Acht Sicherheitskräfte mit kugelsicheren Westen, Schlagstöcken und Pistolen bewachen sie.
Die Verurteilten sind strenggläubige Muslime. Sie wuchsen gemeinsam in Sindelfingen (Baden-Württemberg) auf. Ö. beging laut dem noch nicht rechtskräftigen Urteil besonders schwere Straftaten: Er schwor einen Eid auf Osama bin Laden, war zwei Jahre lang Mitglied bei El Kaida und wollte als Kämpfer im „Heiligen Krieg" sterben. Er besuchte 2006 im Grenzgebiet von Afghanistan und Pakistan zwei Terrorlager. In Deutschland rekrutierte er für El Kaida einen neuen Kämpfer: Bekkay Harrach (32).
Diese Tat wertete das Gericht unter Vorsitz von Richterin Angelika Blettner als „besonders schwerwiegend". Denn Harrach, der bis 2004 an der Fachhochschule in Remagen studierte, drohte Deutschland 2009 in mehreren Propagandavideos mit Anschlägen. Er soll zur El-Kaida-Führung gehören.
Ö. und I. arbeiteten eng mit Aleem N. (47) aus Germersheim zusammen – so das Urteil. Sie kauften Nachtsichtgeräte, Ferngläser, Laptops. N.,der die Geräte an El Kaida nach Pakistan lieferte, war 2009 vom Oberlandesgericht Koblenz zu acht Jahren Haft verurteilt worden.
Ö. und I., die gut eineinhalb Jahre in Untersuchungshaft saßen, haben sich laut dem Gericht von El Kaida abgewandt. Das Gericht hob den Haftbefehl gegen I. auf, da keine Fluchtgefahr bestehe. Bis er seine Reststrafe absitzen muss, ist er ein freier Mann.



















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