Nürburgring-Kehrtwende ohne Beck: Heiße Verhandlungstage enden mit politischem Knall
Rheinland-Pfalz. Die Spannung war mit Händen zu greifen: Die Pressekonferenz im Innenministerium rangierte weit jenseits von Routine.
Kurz nach 13.30 Uhr marschierten gleich drei Ressortchefs in den großen Sitzungssaal mit der Nummer 2.040: Innenminister Roger Lewentz (SPD), Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) und Finanzminister Carsten Kühl (SPD). Nicht dabei: Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), den viele Journalisten angesichts der dramatischen Richtungsentscheidung erwartet hätten. Ein Auftritt auf allen Kanälen wäre ihm sicher gewesen. So richteten sich die Kameras auf das rot-grüne Triumvirat.
Lewentz: Enttäuscht von Pächtern
Roger Lewentz begann mit einem kleinen Prolog („Der Nürburgring ist ein Aushängeschild für Rheinland-Pfalz“), bevor er zum Kern der Sache vorstieß. „In den zurückliegenden Monaten bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass eine gute Zukunft am Ring mit den jetzigen Pächtern nicht möglich ist“, erklärte der Minister. Die Konsequenz: Die nahezu landeseigene Nürburgring GmbH hat den Betreibervertrag und den Konzessionsvertrag für die Formel 1 mit den Pächtern gekündigt. Die Ring-Manager überwiesen bekanntlich bis heute keinen Cent Pacht. Wochenlang wurden Forderungen und Gegenforderungen aufgerechnet. Bis Lewentz und die gesamte Landesregierung den Beschluss fassten, der Nürburgring Automotive GmbH (NAG) den Stuhl vor die Tür zu stellen. Das Ende eines monatelangen Tauziehens?
Die Betreiber reagierten erstaunt und erschüttert auf den Schritt. Glaubt man ihrer Version, war der Nürburgring auf einem guten Weg. Nach dem geplanten Stellenabbau, das haben die Gesellschafter Jörg Lindner und Kai Richter mehrfach versichert, wäre der Komplex wieder hoch profitabel gewesen. Ab Mai 2012 wollten die NAG 600 000 Euro Pacht monatlich überweisen, ließen die Pächter mitteilen.
Betreiber suchten Kompromiss
Das Betreiberduo war nach Informationen unserer Zeitung bereit, auf die strittige Spielbankabgabe von 3,2 Millionen Euro im ersten Jahr zu verzichten. Sie wollten den Betrag für die weiteren Geschäftsjahre fest zugesagt bekommen. Darauf ließ sich das Land nicht ein.




















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