Internet-Abzocke: Rentner (82) gewinnt vor Gericht
Neuwied/Koblenz - Skrupellose Abzocke im Internet: Jedes Jahr erhalten Tausende Rheinland-Pfälzer Rechnungen von dubiosen Internetfirmen. Obwohl sie nichts gekauft, kein Serviceangebot genutzt haben. Auch Guenter Raub bekam so eine Rechnung. Doch der 82-Jährige aus dem Kreis Neuwied fackelte nicht lange. Er zog vor das Landgericht Koblenz - und gewann. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Alles begann mit dem Tod von Boxerdame Bonnie. Zwei Tage vor Weihnachten 2008 verlieren Guenter Raub und seine Frau Ursula (74) ihren Hund. Plötzlich fühlen sie sich so allein. Sie wollen einen neuen Boxer und machen sich im Internet auf die Suche. Auf der Seite www.tiere-infos.de tragen sie ihre Anschrift ein, durchstöbern die Angebote, finden aber nichts. Sie klicken die Seite weg - und denken, die Sache wäre erledigt.Pustekuchen! Vier Wochen später erhält das Paar eine Rechnung über 59,95 Euro. Die Frankfurter Internetfirma Go Web Ltd. behauptet, die Raubs hätten einen Sechs-Monate-Zugang für das Tierportal erworben. In dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, heißt es: "Seit Ihrer Anmeldung ist ein Monat verstrichen, ohne dass Sie erfolgreich von Ihrem Widerrufsrecht Gebrauch gemacht haben. Wir freuen uns, dass unser Angebot Ihren Zuspruch gefunden hat."
Die Raubs fallen aus allen Wolken. Sie wissen nichts von einem kostenpflichtigen Zugang. Sie weisen die Rechnung zurück, erhalten aber Mahnungen. In der zweiten und "letzten" Mahnung droht Go Web, ein Inkassounternehmen zu beauftragen. Dies könne für das Paar zu einem negativen Eintrag bei der Schufa in Wiesbaden führen.
Den Koblenzer Anwalt der Raubs, Oliver Mogwitz, ärgert die Masche der Internet-Abzocker: "Firmen dürfen bei einer strittigen Forderung keine Daten an die Schufa melden. Trotzdem drohen manche damit, um ihre vermeintlichen Kunden unter Druck zu setzen." Ein weiterer Trick der Abzocker: Sie verschicken ihre Rechnung erst, wenn die Widerspruchsfrist verstrichen ist. So üben sie zusätzlichen Druck auf ihre Opfer aus.
Die Unsicherheit bei Verbrauchern ist groß: 2009 bearbeitete die rheinland-pfälzische Verbraucherzentrale 8000 Anfragen zu ähnlichen Fällen von Internet-Abzocke. 2010 waren es bisher 3800.



















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