In Trier twittern Studenten im Hörsaal
Trier - Simsen, Twittern oder Mailen ist in der Regel im Unterricht tabu. Nicht aber bei Medienwissenschaftler Hans-Jürgen Bucher an der Uni Trier: In seinen Vorlesungen ist fleißiges Twittern und Simsen sogar erwünscht. Voraussetzung: Es geht ums Thema.
Im Hörsaal liegen Handys, Smartphones und Laptops auf den Tischen der Studenten. Und neben dem Pult des Professors steht eine Twitterwall – eine Leinwand, auf die die kurzen Mitteilungen der Zuhörer projiziert werden. „Mit den digitalen Medien können sich die Studenten direkt in die Vorlesung einbringen“, sagt Bucher. Und sie können während des 90-minütigen Monologs auch mal digitale Zwischenrufe aus dem Publikum möglich machen.
Tweets sind anonymisiert
Die Kurzbeiträge, die in der Erstsemester-Vorlesung gut lesbar auf der Twitterwall aufploppen, sind alle anonymisiert. Mal erscheint eine Frage, mal ein Tipp zur Lektüre, mal ein Kommentar. Professor Bucher schaut immer wieder auf die Leinwand, während er über die Grundlagen der Medienwissenschaften referiert. Dann hält er inne und beantwortet Zwischenfragen, die ihn sonst wohl nicht erreicht hätten. „Es ist eine gute Möglichkeit für schüchterne Studenten, sich zu Wort zu melden. Sie würden sich sonst nie trauen, sich zu melden“, sagt Studentin Sarah Fais aus Bendorf (Kreis Mayen-Koblenz), eine von rund 60 Studierenden im Hörsaal.
Die Twitterwall haben die Medienwissenschaftler an der Uni Trier selbst entwickelt und gebaut. „Sie ist einzigartig, weil sie drei digitale Zugänge miteinander verbindet“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Philipp Niemann. So können die Studenten ihre Mitteilungen über Twitter, als SMS oder auch über die Internetseite des Studienfachs schicken. Welcher Zugang ist am beliebtesten? „In den meisten Fällen wird noch gesimst“, sagt Niemann.
Man gibt ein Stück Macht auf
Seiner Ansicht nach würde eine Twitterwall auch in anderen Fachbereichen Sinn ergeben. „Es wird heute überall nach Möglichkeiten gesucht, die klassische monologische Form der Vorlesung aufzubrechen. Dies ist eine Form“, sagt er. Im Vortrag sind so auch kritische Fragen möglich, und der technische Aufwand ist eher gering, hieß es. Man braucht nur eine Leinwand und einen Beamer. „Wenn es einmal installiert ist, läuft es“, sagt Niemann.




















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