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Gewerkschaft: Ring-Pächter wirken deprimiert

Rheinland-Pfalz - Die privaten Nürburgring-Pächter haben in einem Gespräch mit Betriebsrat und Gewerkschaft offiziell eingeräumt, dass es an der Rennstrecke zu Kündigungen kommen wird. Die kursierende Zahl 141 wurde zunächst nicht bestätigt.

"Wir waren überrascht, wie unkonkret alle Angaben waren", meinte Verdi-Vertreter Jürgen Jung nach der rund eineinhalbstündigen Begegnung gegenüber unserer Zeitung. "Wir hätten mehr Butter bei die Fische erwartet."

Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten sieht sich die Spitze der Nürburgring Automotive GmbH (NAG) gezwungen, im großen Stil Personal abzubauen. Bislang wird davon ausgegangen, dass 29 Zeitverträge nicht verlängert werden, 91 NAG-Mitarbeiter die direkte Kündigung erhalten und 21 Mitarbeiter, die noch offiziell zur nahezu landeseigenen Nürburgring GmbH gehören, wieder zu ihrem alten Arbeitgeber zurückkehren müssen. Am Rande des Gespräches hieß es jetzt, dass die Zahlen möglicherweise geringer sind.

Die NAG-Geschäftsführung habe bei dem Treffen niedergeschlagen gewirkt und noch einmal betont, dass man geschönten Modellrechnungen aufgesessen sei. Ein Vorwurf, der in Richtung Landesregierung gerichtet sein dürfte.

Die Gewerkschaften rechnen damit, dass so schnell niemand von den 380 Beschäftigten die Kündigung erhält. Am Dienstag sollen die Vorstellungen der Geschäftsführung noch einmal konkretisiert werden. Danach wird das weitere Vorgehen beraten. Betriebsrat und Gewerkschaften drängen darauf, alle Alternativen zu prüfen, bevor Mitarbeiter ihre Stelle verlieren. Zudem haben nach einer turbulenten Landtagssitzung sämtliche Fraktionen zugesagt, sich für die Betroffenen einzusetzen. SPD-Fraktionschef Hendrik Hering (SPD) versprach sogar, dass die rot-grüne Landesregierung keinen Mitarbeiter fallen lässt. Bei rund 200 Beschäftigten dürfte das ohnehin schwierig werden. Sie sind nach Gewerkschaftsangaben 2010 von anderen Gesellschaften in die private Automotive GmbH gewechselt. Daher haben sie eine dreijährige Arbeitsplatzgarantie.

Derweil werden im Innenministerium Expertisen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young studiert, in denen die Abrechnungen der privaten Ring-Pächter zum ersten Geschäftsjahr und der Formel 1 aufgearbeitet wurden. Derzeit arbeitet man sich durch die umfangreichen Papiere. Dabei geht es auch um die Frage, ob die Betreiber die von Jahr zu Jahr steigenden Pachtzahlungen erwirtschaften können.

Mit diesen sollen Zins und Tilgung für die 330-Millionen-Investition (Freizeitpark) bezahlt beziehungsweise der riesige Schuldenberg abgetragen werden. In der zweiten Dezemberhälfte will sich Innenminister Roger Lewentz (SPD) nach Informationen unserer Zeitung mit NAG-Geschäftsführer Jörg Lindner treffen und das weitere Vorgehen beraten.

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

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