Gegen das "Vorglühen": Koblenzer Wirte setzen sich für Alkoholverbot in Altstadtgassen ein
Koblenz - Die Sicherheit - oder leider allzu oft Unsicherheit - in der Altstadt erhitzt derzeit die Gemüter. Denn dass es zu Schlägereien und Vandalismus auf den Straßen und Plätzen kommt, ist an Wochenenden fast der Normalfall geworden. "Aber wir haben den Eindruck, man will uns jetzt den Schwarzen Peter zuschieben", sagt Gastronom Thomas Wilbert, der gemeinsam mit rund einem Dutzend seiner Kollegen das Gespräch mit der RZ gesucht hat. "Wir sollen jetzt verantwortlich sein für die Sicherheit in der Stadt - das kann nicht sein." Gleichzeitig fürchten die Wirte, dass doch die Sperrzeit wieder eingeführt werden soll.
In der Beobachtung sind sich alle einig: "Die Gewaltsituation in der Altstadt hat sich in den vergangenen Jahren massiv verschärft", sagt zum Beispiel Hans-Joachim Mehlhorn, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Koblenz-Stadt. Das beobachten nicht nur Polizei und Ordnungsamt mit Sorge, sondern auch die Gewerbetreibenden.
"Denn wir alle wollen eine sichere Stadt", so Mehlhorn. Dass das nicht so leicht zu bewerkstelligen ist und vermutlich nicht mal ein Koblenz-spezifisches Problem, sondern ein gesamtgesellschaftliches ist, darin sind sich ebenfalls alle einig. Aber wie Lösungen aussehen können, darin gehen die Meinungen auseinander.
Ein Alkoholverbot in der Altstadt, natürlich außerhalb der Außengastronomie und der Stadtfeste, halten viele Wirte für eine gute Idee. Denn viele junge Leute kommen am Wochenende in die Altstadt, setzen sich auf ein Mäuerchen und bauen erst einmal eine Bar auf, beobachten die Gastronomen. So "vorgeglüht" ziehen sie dann los und geraten auf dem Weg von einer Kneipe in die nächste an eine andere Gruppe, die genauso betrunken ist. Völlig ohne Grund wird dann oft aufeinander losgeprügelt. "Das mit dem Alkoholverbot hat doch auch zum Beispiel am Bahnhof gut funktioniert", argumentiert Thomas Wilbert.
Umfrageergebnis
Die von der Stadt vorgeschlagenen Alkoholkontrollen der Wirte an ihrer Eingangstür lehnen die Gastronomen dagegen ab. Nicht nur, weil sie die Kosten nicht tragen wollen und den vorgeschlagenen Grenzwert von 1,0 Promille für realitätsfern halten. "Wer besoffen ist oder sich nicht benehmen kann, den lass ich eh nicht rein. Aber soll ich dann zu 15 Mann sagen: Stellt euch mal in eine Reihe, ich muss euch erst kontrollieren?" fragt Danijel Juric. Dagegen macht das Agostea mit Alkoholkontrollen in Zweifelsfällen seit ein paar Monaten gute Erfahrungen, berichtet Frederik Wenz. Er spricht sich auch für das flächendeckende Hausverbot in allen Kneipen aus, das in einem Vorschlag der Stadt aufgelistet war: "Wenn wir ein Hausverbot erteilen, werden ja sowieso die Personalien aufgenommen. Warum sollte man die nicht an alle Wirte verteilen, die sich freiwillig zusammenschließen?"






















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