Ring: Kafitz plante 2009 angeblich Befreiungsschlag
Rheinland-Pfalz - Die Offerte von Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone war 2009 offenbar mehrfach Thema im Aufsichtsrat der nahezu landeseigenen Nürburgring GmbH (NG). Nach Informationen unserer Zeitung wurde nicht nur am 25. August, sondern auch im September über den Sachverhalt gesprochen.
Hintergrund: Ein Vermerk an den damaligen NG-Aufsichtsrat lässt den Schluss zu, dass Ecclestone den Ring-Machern einen ähnlich hohen Preisnachlass wie in Hockenheim angeboten hat. Formel-1-Boss Ecclestone bestätigte mittlerweile sogar gegenüber der „Allgemeinen Zeitung“, dass es ein – wie auch immer geartetes – Angebot von seiner Seite gab. Hat das Land es damals tatsächlich verpasst, Millionen Euro zu sparen? An der Rennstrecke in Hockenheim schrieb man 2010 immerhin eine imposante schwarze Null.
Ein Kenner der Szene bezweifelt allerdings die Seriosität des Vorgangs. „Von den Ideen Ecclestones konnte nur Walter Kafitz nach einem Treffen in London berichten. Es gab kein schriftliches Angebot“, heißt es. Nürburgring-Boss Kafitz war zu dieser Zeit bereits reichlich umstritten. Nach Einschätzung des Ring-Kenners spielten sich die Ereignisse wie folgt ab: Kafitz, dem damals schon dämmerte, dass er seinen Job nicht mehr lange behalten würde, versuchte einen Befreiungsschlag. Ohne Mandat reiste er im Sommer 2009 nach London. Ecclestone, der auch mit Hockenheim verhandelte, warf ihm ein paar Köder hin. „Er spielte damals Katz und Maus“, so ein Eingeweihter, „auch auf dem Hintergrund der Gespräche in Hockenheim.“ Und weiter: „Ecclestone wusste, dass Kafitz' Position nicht mehr wirklich stark war. Wenn er ein ernsthaftes Angebot hätte vorlegen wollen, hätte er sich direkt an Ministerpräsident Kurt Beck gewandt.“
Im Sommer 2009, so die Schilderung weiter, blieb Kafitz ziemlich vage. Er wurde dennoch vom Aufsichtsrat aufgefordert, der Sache nachzugehen, konnte aber auch im September keine belastbaren Eckdaten vermelden. Auf dieser Basis wollte sich niemand auf Ecclestones Forderungen (jährliche Austragung, keine Mehrwertsteuer) einlassen. Zumal der damals noch recht neue Aufsichtsrat nach dem Rücktritt von Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) wegen der gescheiterten Freizeitpark-Finanzierung als „Aufräumrat“ installiert worden war. Sein Kernanliegen: das Finanzchaos am Ring zu ordnen.
Ende 2009 erhielt Ring-Boss Walter Kafitz dann die fristlose Kündigung. Begründung unter anderem: die eigenmächtige Beauftragung einer Anwaltskanzlei gegen den Willen des Aufsichtsrats der Nürburgring GmbH.
Von unserem Redakteur Dietmar Brück




















Diesen Artikel versenden