Fall Anna: Wollte Honnefer Jugendamt kein Klagen über Pflegemutter hören?
Bad Honnef/Bonn. Der Prozess gegen die Pflegeeltern der getöteten neunjährigen Anna aus Bad Honnef verzögert sich.
Wie das Landgericht Bonn gestern mitteilte, befindet sich die 52-jährige Pflegemutter Petra W. im Krankenhaus und muss sich dort stationär behandeln lassen. Aus diesem Grund hat der Kammervorsitzende die beiden für nächste Woche anberaumten Verhandlungstermine aufgehoben. Voraussichtlich geht der Mordprozess erst am 26. Mai weiter.
Schon der zweite Verhandlungstag musste wegen gesundheitlicher Probleme der stark übergewichtigen Hauptangeklagten, die auch Diabetikerin ist, vorzeitig abgebrochen werden.
Pflegemutter verhindert Aussage von Pfarrer über ihre Person
Die Pflegemutter hatte zudem verhindert, dass der evangelische Pfarrer aus Bad Honnef vor Gericht aussagt. Sie erteilte ihm nicht die gewünschte Befreiung von dessen Verschwiegenheitspflicht. Der Seelsorger sollte auf Anraten des psychiatrischen Gutachters der Angeklagten Aussagen über Person und Charakter machen. Die Angeklagte selbst hat bislang vor Gericht stets geschwiegen und die Aussage verweigert.
WDR: Schon früh Zweifel an Eignung von Petra W.
Unterdessen sind neue Vorwürfe gegen das Bad Honnefer Jugendamt laut geworden. Nach Recherchen des WDR soll es schon früh Zweifel an der Eignung der Pflegeeltern gegeben haben. Der Sender zitiert die pensionierte Lehrerin Annegret Nöldner, die acht Jahre lang bis 2010 ehrenamtlich in der Tagesmüttervermittlung tätig war.
In dieser Zeit habe es teilweise massive Beschwerden vor allem gegen die nun angeklagte Pflegemutter Petra W. gegeben. Die 52-jährige hatte nicht nur das Vollzeitpflegekind Anna in der Betreuung, sondern nahm auch Tageskinder auf.
Tagesmüttervermittlung: Jugendamt gab gravierende Probleme nicht weiter
Das Bad Honnefer Jugendamt allerdings habe Gespräche über die Beschwerden nicht zugelassen. „Die hatten schlicht keine Zeit für uns“, sagte Annegret Nöldner. Und noch einen massiven Vorwurf macht die Pädagogin dem Bad Honnefer Jugendamt, das seit 2008 existiert: Die Mitarbeiter hätten den Mitstreitern der Tagesmüttervermittlung keinerlei Informationen darüber gegeben, dass es bei Petra W. und ihrem mitangeklagten Ehemann im November 2009 einen Polizeieinsatz gab.
Polizeieinsatz, weil Anna nackt schreiend durch Treppenhaus lief
Anna war damals laut schreiend und nackt durchs Treppenhaus gelaufen. Die Vermittlungsstelle für Tagesmütter sei über diesen gravierenden Vorfall nicht informiert worden, kritisiert Nöldner. Mittlerweile hat das Jugendamt die Vermittlungsstelle aufgelöst.
Von unserem Redakteur Marcelo Peerenboom




















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