Fall Anna: Schulleiter erhebt schwere Vorwürfe gegen Jugendamt
Bad Honnef. Vier Wochen ist die kleine Anna aus Bad Honnef jetzt tot. Ihr Pflegevater hat zugegeben, das Kind in der Badewanne unter Wasser gedrückt zu haben. Nachdem sich vor Kurzem erstmals Annas leibliche Mutter erstmals öffentlich geäußert hatte, bricht nun Annas Schulleiter Wolfram Bockschewsky sein Schweigen. Und erhebt schwere Vorwürfe gegen das Königswinterer Jugendamt.
Wie Bockschewsky in einem WDR-Interview erklärte, hatte seine Schule mehrfach Hinweise ans Jugendamt weitergegeben, dass es in der Pflegefamilie offenbar merkwürdige Erziehungsmethoden gab. Nachdem es im November 2009 zu einem Polizeieinsatz in der Pflegefamilie kam – Nachbarn hatten lautes Weinen der Kleinen bemerkt –, gab es in der Schule eine Konferenz, an dem auch das Jugendamt teilnahm, wie der Rektor berichtet. „Ich hatte danach das Gefühl und auch die Zusicherung, dass die Familie und Anna unter Beobachtung steht", sagt Wolfram Bockschewsky. Heute müsse er feststellen, dass alle Hinweise aus der Bevölkerung und von der Schule offenbar nicht ausgereicht hätten, um Anna wirkungsvoll zu schützen. Er sei daher fassungslos.
Eine Nachbarin berichtete kürzlich, fast jede Nacht seien Kinderschreie zu hören gewesen. Am Tag vor ihrem Tod habe Anna über den Balkon fliehen wollen. Die Stadt Königswinter lehnt unterdessen mit Hinweis auf laufende Ermittlungen weiterhin ab und hüllt sich in Schweigen. Wie schon zuvor Annas leibliche Mutter räumt auch der Schulleiter mit der Aussage des Pflegevaters aus, Anna habe eine Wasserphobie gehabt. „Ich habe Anna selbst im Schwimmen unterrichtet", berichtet der Pädagoge. Anna sei sogar sehr gerne geschwommen. Und seine Kollegin habe auch bestätigt, dass es mit dem Kind nie Probleme beim Duschen gegeben habe.
Wolfram Bockschewsky bezeichnet Anna als freundliche, unauffällige Schülerin. Während der Ferien hatte Anna sogar ihrer Klassenlehrerin eine Postkarte von der Adria geschickt. Sie sei wieder gesund, schrieb Anna und sandte schöne Urlaubsgrüße nach Bad Honnef. Als die Karte dort ankam, war Anna bereits drei Tage tot.
Marcelo Peerenboom




















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