"Fall Anna": Honnefer Jugendamt wieder im Visier der Staatsanwaltschaft
Bad Honnef - Die Bonner Staatsanwaltschaft hat im „Fall Anna“ die im Januar eingestellten Ermittlungen gegen das Bad Honnefer Jugendamt wieder aufgenommen. Das hat Oberstaatsanwalt Fred Apostel auf RZ-Anfrage bestätigt.
Das neunjährige Pflegekind Anna war im Juli 2010 in der Badewanne der Pflegeeltern in Bad Honnef gewaltsam zu Tode gekommen. Der Prozess gegen die Pflegeeltern wird seit Montag neu aufgerollt, weil nun auch eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht kommt, wie die Schwurgerichtskammer mitteilte. Der Gerichtsmediziner hatte im Februar ausgesagt, dass das Mädchen gewaltsam mehrere Minuten unter Wasser gedrückt worden sein muss. Bis dahin war die Staatsanwaltschaft von einer Körperverletzung mit Todesfolge ausgegangen.
Bei den nun wieder aufgenommenen Ermittlungen gegen das Honnefer Jugendamt geht es um den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung. Am Todestag Annas hatte sich eine besorgte Nachbarin beim Jugendamt in Bad Honnef gemeldet, weil sie Schreie hörte und sich Sorgen um das Wohl des Kindes machte. Die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung unternahmen nichts, sondern verwies die Anruferin an das Königswinterer Jugendamt, weil dieses für Anna zuständig war. Das Mädchen hatte zuvor bei seiner leiblichen Mutter in Königswinter gelebt und war vom dortigen Jugendamt in die Honnefer Pflegefamilie gegeben worden.
Die besorgte Anruferin, die sich dann tatsächlich auch in Königswinter gemeldet hatte, fand auch dort nicht das entsprechende Gehör. Sie wurde in die Erziehungsberatungsstelle verbunden, wo man ihr auch nicht weiterhelfen konnte. Am selben Abend wurde Anna in der Wanne unter Wasser gedrückt, verlor das Bewusstsein und verstarb in der Kinderklinik.
Gegen das Königswinterer Jugendamt ermittelt die Staatsanwaltschaft nach wie vor, wie Fred Apostel bestätigte. Hier sind mehrere Bedienstete betroffen, unter anderem die Fachkraft, die für das Pflegekind Anna zuständig war. Während des ersten Gerichtsverfahrens, das im Februar gestoppt wurde, sagten mehrere Zeugen und der Pflegevater aus, man habe mehrfach dringend darum gebeten, für Anna eine andere Unterbringung zu finden, weil vor allem die Pflegemutter mit dem Kind nicht mehr zurechtgekommen sei.
Wie Oberstaatsanwalt Apostel mitteilte, ist seine Behörde immer noch damit beschäftigt, das umfangreiche Datenmaterial auszuwerten, das im Rahmen einer Razzia in den Rathäusern der beiden Städte Anfang des Jahres sichergestellt wurde. Das Verfahren werde sich noch einige Zeit hinziehen, sagte der Jurist.
Von unserem Redakteur Marcelo Peerenboom




















Diesen Artikel versenden