Fall Anna: Geht es für die Pflegeeltern ab Montag um Mord-Anklage?
Bad Honnef - Am kommenden Montag geht der Prozess um den gewaltsamen Tod der kleinen Anna in die nächste Runde: Das Verfahren am Bonner Landgericht wird neu aufgerollt, weil die Kammer im Fall des in der Badewanne gewaltsam ums Leben gekommenen Pflegekindes eine Verurteilung wegen Mordes oder Totschlags nicht mehr ausschließt.
Verfahren gegen Pflegeeltern läuft seit Januar
Auf der Anklagebank sitzen bei dem Prozess in Bonn die Pflegeeltern der Neunjährigen. Die Bonner Staatsanwaltschaft hat erklärt, die neue Hauptverhandlung dazu zu nutzen, das Vorliegen von Mordmerkmalen herauszuarbeiten, wie Gerichtssprecher Joachim Klages erklärte. Dieser wies jedoch auch darauf hin, dass sich bislang "keine dringenden Gründe für die Annahme von Mordmerkmalen ergeben haben".
Das Verfahren gegen die 52 Jahre alte Pflegemutter und den 51 Jahre alten Pflegevater des Kindes, das am 22. Juli vergangenen Jahres starb, hat Ende Januar begonnen. Am 28. Februar war der Prozess dann auf Antrag des Verteidigers der Pflegemutter ausgesetzt worden. Zuvor hatte die Verhandlung vor der Schwurgerichtskammer eine spektakuläre Wende genommen.
In der Badewanne unter Wasser gedrückt
Denn ein Gerichtsmediziner sagte aus, dass Anna am Tag ihres Todes bis zu fünf Minuten in der Badewanne unter Wasser gedrückt worden sein muss. Die Menge an Wasser, das der Sachverständige in der Lunge des Mädchen gefunden habe, lasse keine andere Ursache zu. Laut Anklageschrift soll der Pflegevater erst eingeschritten sein, als Anna bereits blau anlief. Trotz eingeleiteter Wiederbelebungsversuche starb das Mädchen am Abend in der Sankt Augustiner Kinderklinik.
Während der Pflegevater bereits zum Prozessbeginn im Januar den Großteil der dem Paar vorgeworfenen Taten eingeräumt hat, schweigt seine Lebenspartnerin bislang beharrlich zu den schweren Vorwürfen. Nach Überzeugung der Bonner Staatsanwaltschaft haben die beiden Bad Honnefer das Kind mehrmals gequält und roh misshandelt. In 20 der angeklagten Fälle sollen die Pflegeeltern das Kind - teilweise auch gefesselt - unter Wasser getaucht haben.
13 Verhandlungstage bis Ende Juni
Das Mädchen aus Königswinter war im Sommer 2008 vom Jugendamt der Stadt Königswinter bei den Pflegeeltern in der Badestadt untergebracht worden.
Für das neue Verfahren, das am Montag im Bonner Landgerichts beginnt, sind 13 Verhandlungstage angesetzt; das Urteil wird Ende Juni erwartet.
Von unserem Redakteur Mario Quadt




















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