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Ein Mann, der laufend Grenzerfahrungen liebt

Grafschaft - Der landläufigen Idealvorstellung eines Kurzurlaubs in den Bergen entspricht das zweifellos nicht: 240 Kilometer bei Tag und Nacht in 114 Stunden laufen, dabei 18 000 Höhenmeter überwinden, das alles auf nicht gekennzeichneten Wegen mit einem GPS-Gerät, bei vollkommener Autonomie in Zweier- oder Dreierteams und mit Selbstverpflegung. Wie zum Hohn nennt sich dieser eigenwillige Wettbewerb in den französischen Alpen bei Chamonix auch noch "La Petite Trotte" - zu Deutsch: "Der kleine Trab". Eine Siegerliste gibt es nicht, nur das Ankommen zählt.

Von unserem Redakteur Marcus Pauly

Wer hat daran Spaß, wer nimmt sich dafür Urlaub? Zum Beispiel Thomas Eller. Für den Geschäftsführer aus der Grafschaft im Kreis Ahrweiler stellt diese extreme Form der sportlichen Grenzerfahrung die ideale Freizeitgestaltung dar. Gefreut hat er sich darauf, durchsetzt zwar nicht mit Angst, dafür aber einer gesunden Portion Respekt - und das aus gutem Grund, wie der Wettbewerb jetzt lehrte.

Angst ums Leben

Nach rund 110 Kilometern war er ausgestiegen. Er sollte nicht der Einzige bleiben. Nicht aus Erschöpfung, sondern aus Vorsicht. "Das Wetter wurde so schlecht, dass ich sogar Angst um mein Leben bekam", berichtet der 48-Jährige. Das war Donnerstagnacht um 0.30 Uhr, 50,5 Stunden nach dem Start am Dienstagabend um 22 Uhr. Zunächst war das Wetter gut, dann aber fielen plötzlich die Temperaturen, und es schüttete aus Kübeln. Mitten in den Bergen auf mindestens 2000 Meter Höhe bei völliger Dunkelheit und unwegsamem Gelände kein Vergnügen.

90 Minuten für 400 Meter

Aber was bereitet bei so einem Wettbewerb schon Vergnügen? Die 80 Teams liefen stets auf einer Höhe zwischen 2000 und 3000 Metern zwischen Geröll, auf Eis, über Stock und Stein und bei zum Teil extremen Steigungen. "Einmal haben wir für 400 Meter anderthalb Stunden, einmal für 17 Kilometer sieben Stunden und 45 Minuten gebraucht", berichtet der zweifache Familienvater.

Und weil das Ziel bis Sonntag um 16 Uhr erreicht sein musste, war Schlaf der reine Luxus. Die erste Nacht hat Eller gar nicht geschlafen, die zweite drei und die dritte eine Stunde, jeweils auf einer Hütte. Wie das möglich ist?

"Das habe ich vorher bei vielen Nachtläufen trainiert, das geht", versichert er lapidar. Überhaupt hat Eller natürlich vorher viel trainiert. Und die Extreme sucht er ohnehin ständig. "Ein Marathon ist für mich ein Trainingslauf. Das soll aber nicht arrogant klingen", betont er.

Sein Antrieb? "Das hat was mit Willen zu tun - dabei verwandele ich mich"

Klingt es auch nicht. Jemand, der auf seinen 100. Marathon zusteuert, der im Frühjahr noch beim "Marathon de Sable" (Etappen-Ultramarathon in der Sahara mit sechs Etappen zwischen 20 und 80 Kilometern in sieben Tagen) und immer wieder bei Wettbewerben wie dem Ultra-Trail du Mont-Blanc (160 Kilometer mit 9000 Höhenmeter in 46 Stunden) oder bei der 24-Stunden-DM (177 gelaufene Kilometer) seine Grenzen auslotet, entwickelt eben andere Maßstäbe.

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