Nürburgring: Ex-Minister Deubel nennt Kreditvermittler "Berufsverbrecher"
Von unserem Redakteur Dietmar Brück
Rheinland-Pfalz - Sprachlos sind die Mitglieder im Nürburgring-Untersuchungsausschuss nur ganz selten. Doch der frühere rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) schaffte das Kunststück.
Überraschend für Politiker und Presse verzichtete er auf eines seiner gefürchteten ellenlangen Eingangsstatements, in denen er meist akribisch nachzuweisen versucht, dass der Finanzskandal um die Eifel-Rennstrecke halb so wild war. Dieses Mal öffnete sich Deubel sofort für Fragen. Nicht das einzige Erstaunliche an diesem Sitzungstag.
Denn zum ersten Mal zeigte Deubel eine späte Einsicht. Er distanzierte sich mit aller Deutlichkeit von dem Schweizer Kreditvermittler Urs Barandun. "Nach allem, was ich bis heute weiß, handelt es sich um einen Blender", so der einstige Finanzminister, "vielleicht sogar um einen Berufsverbrecher." Hintergrund: Im Juli 2009 brach ein schier abenteuerliches Finanzierungsmodell für den Ausbau des Nürburgrings zusammen, weil Baranduns Millionen-Schecks ungedeckt waren. Deubel blieb nur noch der Rücktritt.
Deubel, der kritische Ring-Berichterstattung immer noch als "öffentliches Affentheater" abkanzelt, räumte ein, dass es eine "winzige Gefahr" für 95 Millionen Euro an Landesgeldern gab. Diese waren Teil jenes Finanzgeschäfts, mit dem der millionenschwere Freizeitpark finanziert werden sollte. Der Grund für Deubels Zugeständnis: Die Liechtensteinische Landesbank in Zürich, bei der sich das Bardepot befand, habe Barandun "treuwidrig" eine Bescheinigung ausgestellt, die dem schillernden Finanzmakler krumme Geschäfte erleichtert hätte. Davon aber will Deubel, der einst als regelrechtes Finanzgenie galt, erst lange nach seinem Rücktritt erfahren haben. Bereits der rheinland-pfälzische Rechnungshof hatte von einer Sicherheitslücke gesprochen.
Auf die Firma Pinebeck, die mit Barandun bei dem geplatzten Millionendeal eng kooperierte, lässt Deubel übrigens nach wie vor nichts kommen. "Ich habe da nichts zu bemängeln", meinte er.
Nicht nur Deubels Auftritt sorgte für Spannung: Der frühere Finanzminister Gernot Mittler (SPD) und Jürgen Pföhler (CDU), Landrat im Kreis Ahrweiler, bestätigten einen vielsagenden Sachverhalt. Beide nahmen als Mitglieder des Aufsichtsrats der Nürburgring GmbH am 25. März 2010 an einer Sitzung im Wirtschaftsministerium teil (wir berichteten). Dieses Treffen leitete eine radikale Kehrtwende ein. Denn die Aufsichtsräte beschlossen ein neues Betreibermodell. Es besagte, dass das Land nur noch als Besitzer der Ring-Immobilie agierte, der Betrieb aber in private Hände gelangte. Künftig verantwortlich: die Unternehmer Kai Richter und Jörg Lindner.




















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