Blond, stark, Model: Koblenzer Bundespolizistin ziert "Brigitte"-Titel
Koblenz. Am stolzesten ist Sohn Joey. Er nennt sie „Germany's Next Grandma“ und hat die Modestrecke inzwischen schon x-mal durchgelesen. Ein bisschen irreführend ist das „Großmutter“-Lob des Neunjährigen aber: Denn Bianca Jurgo ist 36 Jahre jung, hübsch, sportlich, arbeitet im Ermittlungsdienst der Bundespolizei in Koblenz – und sie ist Titelfrau der aktuellen Ausgabe des Frauenmagazins Brigitte. Wie kommt's?
Von unserer Reporterin Dorothea Müth
Unter etwa 2350 Bewerbungen, zu denen die Brigitte für eine Ausgabe mit starken Frauen alle Polizistinnen Deutschlands aufgerufen hatte, war Bianca Jurgo unter den 14, die zu einem Foto-Shooting eingeladen wurden. „Die persönliche Ausstrahlung“ und die Idee, eine Bandbreite an Frauen aus verschiedenen Teilen Deutschlands abzubilden, gaben den Ausschlag, sagt Eva Schulenburg vom Brigitte-Verlag Gruner und Jahr.
Die in Vallendar lebende Rheinland-Pfälzerin steht für die Mitte.
„Die nehmen eh nur welche Anfang 20.“
Dabei hatte Jurgo die Brigitte nie zuvor gelesen und die per E-Mail eingegangene Aufforderung zunächst belächelt: „Die nehmen eh nur welche Anfang 20.“
Doch dann kaufte sie die Brigitte, fand sie „seriös“ und Joey, mit dem Jurgo oft gemeinsam shoppen geht, und Freund Stefan taten ein letztes, sie zur Bewerbung zu überzeugen: Die vier geforderten Fotos waren mit einer Freundin schnell gemacht.
„Model in einer Modezeitschrift – das ist der Mädchentraum jeder Frau!“
Drei Tage später kam der Anruf aus Hamburg: Ob sie Lust hätte, zwei Tage in Hamburg zu verbringen, Hotel und Zugfahrt inklusive? Bei diesem verlockenden Angebot konnte Jurgo nicht Nein sagen. „Einmal Model in einer Modezeitschrift zu sein – das ist, glaube ich, der Mädchentraum jeder Frau!“
Das Shooting – um 9 Uhr morgens sollte sie sich melden – war dann ganz anders als gedacht. „Ich musste in 20 Minuten eine Garderobe voller sportlicher Looks durchprobieren. Das war wie zu Hause, wenn man weggehen will und nichts findet“, erzählt Jurgo, beim Gedanken daran immer noch gestresst.
Einmal saß die Polizeiobermeisterin im Hafenviertel auf einem fremden Zweirad
Alles, was passte, kam zusammen mit der sechsköpfigen Crew in einen VW-Bus, der den Rest des Tages durch Hamburg kurvte: auf der Suche nach industriellen und zugleich klassischen Hintergründen. Oft wurden sie weggeschickt von Leuten, die an ihrer Wand keine Fotos gemacht haben wollten. Verzwickte Situation für die Polizeiobermeisterin: „Einmal saß ich im Hafenviertel auf einem fremden Zweirad. Schon haarig, dass ich den Besitzer nicht vorher um Erlaubnis fragen konnte!“
In einer Minute möglichst viel Mimik abspulen
Vor allem hatte Jurgo aber genauere Anweisungen erwartet, wie sie lächeln und wohin gucken sollte. Stattdessen hieß es aus Richtung fünf strenger Augenpaare: „Beweg dich so, dass in einer Minute möglichst viele Gestiken und Mimiken vorkommen.“ Bianca Jurgo schwingt den Kopf leicht hin und her, als sie von dieser absurden Konstellation berichtet. Die Augen gucken fordernd dabei, das Lächeln ist spöttisch und trotzdem noch einnehmend: genau wie auf dem Brigitte-Titel.





















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