Schwierige Arbeit mit ganz leisen Tönen: Notfallseelsorge gehen die Helfer aus
Kreis Birkenfeld - Sie sind da, wenn die Welt zusammenbricht. Die Mitarbeiter der ÖNAK (ökumenische Notfallseelsorge und allgemeine Krisenintervention) leisten Beistand in Extremsituationen, stehen bei bei schweren Unfällen, beim Tod eines Kindes, bei privaten wie großen Katastrophen. Etwa 40 Einsätze pro Jahr leisten die 15 Mitarbeiter, katholische und evangelische Seelsorger aber auch speziell ausgebildete Kriseninterventionshelfer von DRK und ASB. Die ÖNAK-Leute mühen sich, 24 Stunden am Tag an 365 Tagen einsatzbereit zu sein. Der Diensthabende trägt einen Pieper bei sich und versucht im Einsatzfall binnen 30 Minuten am Unfallort zu erscheinen, um sich noch mit den Rettungskräften abstimmen zu können.
Der Reichenbacher Pfarrer Thomas Lehr, der lange Jahre als Polizeiseelsorger und Dozent für Berufsethik an der Polizeihochschule am Flugplatz Hahn tätig war, ist Synodalbeauftragte für die Notfallseelsorge im Kirchenkreis Obere Nahe. Vertreter der katholischen Seite ist der Heimbacher Diakon und Krankenhausseelsorger Johannes Arnoldi. Beide vermerken angesichts des zunehmenden Mangels an Pfarrern und Hauptamtlichen und dem immer größer werdenden Zuschnitt von Pfarrgemeinden einen Mangel an Notfallseelsorgern. Zusätzliche Mitarbeiter sind deshalb willkommen. Je mehr mitmachen, desto weniger Einsätze muss der einzelne leisten. Alle Kriseninterventionshelfer und Seelsorger übernehmen den Dienst neben ihrem Hauptberuf.
"Wir nehmen aber nicht jeden", sagt Lehr. Denn die Arbeit kann ausgesprochen belastend sein. Gebraucht werden Menschen, die bereit sind, sich einem Notfall auszusetzen. Belastbarkeit, Reife und ein gewisses Alter sind Voraussetzungen. "Man wird mit extremen Belastungen konfrontiert, nämlich dem Tod. Das muss man aushalten können", sagt Arnoldi. Platte Vertröstungen sind unangebracht, ist Daniel Schon überzeugt. Der Rettungsassistent ist seit Gründung der ÖNAK auch als Kriseninterventionshelfer im Einsatz. Auch Sensationshunger ist fehl am Platze. "Die Arbeit lebt von den ganz leisen Tönen", sagt Lehr. Da, wo auch dem erfahrenen Seelsorger die Worte fehlen können.
Die Seelsorger machen Krisenintervention vor Ort bei schweren Unfällen oder sind dabei, wenn eine Todesnachricht überbracht wird. Das läuft fast nie so ab wie in den Fernsehkrimis. Im Idealfall begleitet ein Seelsorger den Polizisten. "Derjenige, der die Nachricht überbringt, ist als Seelsorger verloren", weiß Lehr. Als Begleiter ist der Seelsorger dann ebenfalls Hörender der Nachricht. Er bleibt bei den Angehörigen, drei bis vier Stunden sind da keine Seltenheit. Manchmal schweigt man auch eine Stunde. Die Seelsorger gehen erst, wenn das soziale Netz aktiviert ist, wenn Freunde, Verwandte, Nachbarn oder Ärzte sich um die Hinterbliebenen kümmern.
Viel Einfühlungsvermögen und Erfahrung braucht man. Und eine spezielle Ausbildung. "In den Anfangsjahren hat die ÖNAK selbst mit Kollegen und externen Kräften die Seelsorger geschult", erklärt Daniel Schon. Heute wird der Nachwuchs in einem einwöchigen Grund- und mehreren Aufbaukursen von der evangelischen Kirche in Düsseldorf ausgebildet.













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