Junger Obdachloser radelt quer durchs Land
Koblenz - Max Bryan ist kein gewöhnlicher Obdachloser, der sich zu Fuß durch die Straßen seines Kiezes bewegt. Der 36-Jährige ist ein radelnder Wohnungsloser, unterwegs von Hamburg nach Gießen. Am Ziel möchte er an Weihnachten ankommen und sich dort mit seiner Familie aussöhnen. Entlang seiner Route sucht er ein Zuhause, das er sich leisten kann. Zwei Zimmer, maximal 380 Euro Warmmiete. Mittwochabend hat er in Koblenz Station gemacht, am Rathaus - seine elfte Etappe. Einen bezahlbaren Mietraum hat er nicht gefunden und deshalb in einer Sparkassenfiliale übernachtet.
In jeder Stadt, die er besucht, stellt er sich mit einem Pappschild und seinem Fahrrad möglichst zentral auf und wirbt für die Internetseite wohnungsmelder.org. Dort kann jeder eine freie Wohnung anbieten und mit dem Obdachlosen in Kontakt treten.
Seine Geschichte erzählt Max Bryan jedem, der ihn fragt. Vor anderthalb Jahren flog er in Hamburg aus seiner Wohnung, weil der Vermieter Eigenanspruch anmeldete. So packte der einstige Reisekaufmann seine Habseligkeiten in einen gemieteten Container, den er in einem Lager unterstellte, und lebte fortan auf der Straße. Zuvor hatte er zurückgezogen in seinen vier Wänden gelebt und 14 Jahre lang an einem Buchprojekt geschrieben. Die Aufzeichnungen füllen einen Großteil des Containers. "Ich kann auf ihn nicht verzichten. Entweder lebe ich auf der Straße und zahle fürs Lager Miete, oder ich finde eine Zweizimmerwohnung, in die ich meine Notizen mitnehmen kann." Eine Krux. Denn günstiger Mietraum ist rar. Der 36-Jährige möchte mit seiner Tour darauf aufmerksam machen, dass es zu wenig Wohnungen für sozial Schwache und Obdachlose gibt. Ohne es zu wissen, ist er mit dieser Aktion in Koblenz an der richtigen Adresse.
Wie die RZ bereits im Oktober berichtete, bemängeln soziale Institutionen, dass es hier zwar ausreichend Wohnraum gebe, aber Vermieter oft davor zurückschrecken, Menschen ohne Wohnsitz in ihre Häuser zu holen. Diese Ablehnung hat Bryan bei seinem Aufenthalt in Hameln erfahren. Dort schaute er sich eine Wohnung an, aber als der Vermieter ihn nach seiner Adresse fragte und erfuhr, dass der Mittdreißiger keinen festen Wohnsitz hat, war das Angebot für ihn passé.
"Ich möchte mit den Menschen in den Städten ins Gespräch kommen", erzählt der vollbärtige Mann. In Koblenz hat er sogar einige nette Worte gehört. "Ein sehr fein gekleideter Mann hat sich meine Geschichte angehört und dann gesagt, dass ich sehr sympathisch sei." Ein anderer meinte, dass in der Eltzerhofstraße ab Februar ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft frei sein. "Ein Zimmer reicht ja aber leider nicht!", sagt Bryan.
Von unserer Redakteurin Katrin Steinert
Weitere Informationen im Internet auf www.wohnungsmelder.org und www.maxbryan.com















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